Ein Wetterausblick über 14 Tage ist eine heikle Sache, und wir sagen gleich zu Beginn, warum: Die zweite Woche ist keine Prognose. Sie ist eine Bandbreite. Wir zeigen beides – erst das, was belastbar ist, dann das, was nur noch ein Trend ist, und zum Schluss die Rechnung, die den Unterschied sichtbar macht.
Stand aller Zahlen: Modelllauf vom 4. August 2026.
Die eine Zahl, auf die es ankommt
Für den Sommerskibetrieb ist nicht die Tageshöchsttemperatur entscheidend, sondern die Nullgradgrenze: die Höhe, ab der es überhaupt friert. Nur unterhalb dieser Linie kann die Schneedecke nachts wieder durchfrieren, und nur eine durchgefrorene Decke lässt sich sicher präparieren. Genau ihr Fehlen hat die Zermatt Bergbahnen zum Betriebsstopp gezwungen.
Das Ergebnis für die kommende Woche am Gitterpunkt Theodulgletscher, gerechnet auf 3500 Meter:
| Datum | Nullgradgrenze (Tagesmittel) | tiefster Wert | Wetter |
|---|---|---|---|
| Di, 4. Aug | 4160 m | 4050 m | Schauer, örtlich Gewitter |
| Mi, 5. Aug | 4260 m | 4160 m | nass, kräftige Schauer |
| Do, 6. Aug | 4220 m | 4090 m | Schauer, abklingend |
| Fr, 7. Aug | 4140 m | 3950 m | trocken, Wolkenfelder |
| Sa, 8. Aug | 4330 m | 4210 m | meist trocken, mild |
| So, 9. Aug | 4180 m | 4000 m | Schauer |
| Mo, 10. Aug | 4050 m | 4010 m | trocken |
Der tiefste Moment der ganzen Woche liegt in der Nacht auf Freitag bei rund 3950 Metern. Zur Einordnung: Der höchste Punkt, an dem in den Alpen überhaupt Ski gefahren wird, ist die Gobba di Rollin über Zermatt mit 3899 Metern.
Das heisst im Klartext: Es gibt in den kommenden sieben Tagen keinen einzigen Zeitpunkt, an dem irgendeine Skipiste der Alpen unter der Nullgradgrenze liegt. Nicht in Zermatt, nicht in Saas-Fee, nicht am Stilfserjoch. Nirgends friert es dort, wo gefahren wird.
Und der Niederschlag der nächsten Tage fällt entsprechend als Regen, bis über 4000 Meter hinauf. Neuschnee zeigt das Modell im gesamten 16-Tage-Lauf an keinem einzigen Tag. Regen auf Firn ist dabei nicht neutral, sondern der ungünstigste Fall überhaupt: Er bringt Wärme direkt in die Schneedecke ein und beschleunigt die Schmelze stärker als Sonnenschein bei gleicher Temperatur.
Tag 8 bis 10: noch als Trend brauchbar
Vom 11. bis 13. August zeigen die Modelle einen Zwischenhoch-Charakter: trockener, ruhiger, und die Nullgradgrenze steigt eher noch an, in der Spitze Richtung 4500 bis 4700 Meter. Das ist kein Wetterumschwung zum Besseren, sondern das Gegenteil.
Ab dem 14. August deutet sich in der Mehrheit der Rechnungen wieder feuchtere Luft an. Ob daraus ein echter Kaltlufteinbruch wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen – und zwar sehr offen.
Tag 11 bis 15: warum das keine Prognose mehr ist
Um das nicht behaupten zu müssen, haben wir es gerechnet. Das europäische Wettermodell rechnet jeden Lauf 51 Mal durch, mit minimal unterschiedlichen Startbedingungen. Wenn alle 51 Rechnungen dasselbe sagen, ist die Prognose sicher. Wenn sie auseinanderlaufen, ist sie es nicht.
Diese Grafik zeigt, wie weit die 51 Rechnungen für die Temperatur auf 850 Hektopascal über dem Wallis auseinanderliegen – dem Standardmass für die Luftmasse über den Alpen:
Bis Tag 5 liegt die Spannweite bei rund zwei Grad: Das ist eine Prognose. Ab Tag 13 liegt sie bei sieben bis zehn Grad. Wer daraus noch ein Tagesdatum mit Wettersymbol macht, erfindet es. Der Mittelwert aller 51 Rechnungen bleibt zwar über die ganzen zwei Wochen bei knapp 16 bis 18 Grad auf 850 hPa – also warm –, aber die Streuung ist am Ende so gross, dass dieser Mittelwert nichts mehr über einen einzelnen Tag aussagt.
Das ist übrigens kein Mangel der Modelle, sondern eine physikalische Grenze. Warum das so ist und was das mit dem Unterschied zwischen Wetter und Klima zu tun hat, steht in unserem Erklärstück dazu.
Was das für die drei Gebiete heisst
Zermatt. Die Bergbahnen beurteilen die Lage täglich neu und warten auf Nachtfrost auf dem Theodulgletscher. Den liefern die kommenden sieben Tage nicht. Eine Wiederaufnahme des Sommerskibetriebs vor Mitte August ist nach aktueller Datenlage sehr unwahrscheinlich.
Saas-Fee. Überholt: Am 6. August haben die Saastal Bergbahnen den Sommerskibetrieb eingestellt, letzter Tag ist der 9. August (Meldung). Der ursprüngliche Text lautete: Der Betrieb läuft, morgens bis 12 Uhr, und genau dieses kurze Fenster ist bei dieser Wetterlage der Grund, warum es überhaupt noch geht.
Stilfserjoch. Läuft ebenfalls. Für Donnerstag und Freitag zeigen die Modelle am Ortler die kräftigsten Niederschläge der Woche, teils als Gewitter.
Für alle drei gilt dasselbe: Diese zwei Wochen bringen keine Erholung für die Schneedecke, sondern weiteren Verlust. Der Sommer 2026 arbeitet weiter gegen die Gletscher, und der Gletscherschwundtag fiel dieses Jahr schon auf den 29. Juni.
Wie wir gerechnet haben
Alle Zahlen stammen aus den frei zugänglichen Modelldaten von Open-Meteo, das die Läufe der nationalen Wetterdienste bündelt. Für die Nullgradgrenze haben wir den stündlichen Wert am Gitterpunkt 45,94° N / 7,72° O ausgewertet und je Tag Mittel und Minimum gebildet. Für die Unsicherheit haben wir das ECMWF-Ensemble mit seinen 51 Mitgliedern abgerufen und pro Vorhersagetag die Spannweite zwischen dem kältesten und dem wärmsten Mitglied berechnet.
Wir veröffentlichen diesen Ausblick als datierte Momentaufnahme, nicht als laufend aktualisierte Prognose. Er beschreibt den Modellstand vom 4. August 2026. Ab etwa dem 11. August ist er überholt – für die aktuelle Lage gehören die Wetterdienste konsultiert, nicht dieser Artikel.
Stand: 4. August 2026. Wetterdaten: Open-Meteo (ICON, ECMWF IFS und ECMWF-Ensemble). Betriebsangaben: Zermatt Bergbahnen, Saastal Bergbahnen, S.I.F.A.S. Höhenangabe Gobba di Rollin nach Zermatt Bergbahnen.