Zehn Tage nach Zermatt trifft es auch Saas-Fee: Die Saastal Bergbahnen stellen den Sommerskibetrieb auf dem Feegletscher ein. Der Sonntag, 9. August 2026, ist der letzte Betriebstag; ab Montag, 10. August, steht das Gelände still, bis auf Weiteres.

Damit gibt es in der Schweiz erstmals in der modernen Skigeschichte keinen einzigen Ort mehr, an dem im Hochsommer Ski gefahren werden kann.

Die Begründung

Die Bergbahnen nennen die Verhältnisse selbst: Trotz umfangreicher Vorbereitungsarbeiten liessen die aktuellen Bedingungen es nicht mehr zu, dass Pisten und Gletscherinfrastruktur die erforderlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllen. Man beobachte die Lage weiter und werde bekanntgeben, sobald Temperaturen und Gletscherverhältnisse einen Betrieb wieder zulassen.

Das ist fast wörtlich dieselbe Begründung wie in Zermatt am 31. Juli. Und wie dort steht nicht die Lufttemperatur im Zentrum, sondern die Frage, ob eine tragfähige Schneeauflage auf dem Eis liegt.

Die Vorzeichen waren da, deutlicher als wir sie hatten

Ehrlicherweise gehört dazu: Saas-Fee lief in den vergangenen Wochen längst nicht mehr normal. Von vier Anlagen im Sommergelände waren zuletzt nur noch zwei in Betrieb. Am 1. August war das Gebiet wegen Schneemangels und offener Spalten bereits einen ganzen Tag geschlossen.

In unserem Vergleich der drei Gebiete vom 4. August steht Saas-Fee als «in Betrieb». Das war richtig, aber zu glatt: Der Betrieb war zu diesem Zeitpunkt schon halbiert. Wir haben den Beitrag entsprechend ergänzt.

Der Stau, der die Lage verschärft hat

Ein Nebenaspekt, der die Wucht dieser Meldung erklärt. Nach dem Stopp in Zermatt wichen die Rennteams nach Saas-Fee aus. Zeitweise trainierten dort bis zu 600 Athletinnen und Athleten auf dem geschrumpften Gelände.

Walter Reusser, Co-CEO von Swiss-Ski, hatte die Lage schon vor dem jetzigen Entscheid nüchtern beschrieben:

«Wir können die für Zermatt geplanten Teams nicht einfach dorthin verlegen. Es ist nicht genügend Platz vorhanden.»

Besonders betroffen seien ausländische Teams, die Zermatt gezielt vor ihren Südamerika-Camps eingeplant hatten und nun riskierten, in Saas-Fee keine Zeitfenster mehr zu bekommen. Diese Frage hat sich ab Montag erledigt: Es gibt in der Schweiz kein Zeitfenster mehr.

Was in den Alpen übrig bleibt

GebietLandStatus
Stilfserjoch / Passo dello StelvioITin Betrieb, Saison bis 1. November
Saas-FeeCHletzter Tag 9. August, danach eingestellt
ZermattCHseit 31. Juli eingestellt
Hintertuxer GletscherATseit 26. Juli geschlossen

Eines. Ab Montag trägt im gesamten Alpenraum ein einziges Gebiet den Sommerskibetrieb, und es ist das mit Abstand tiefstgelegene der vier: das Stilfserjoch, dessen Gletscherpisten bei 3450 Metern enden – 449 Meter unter Zermatts höchstem Punkt.

Wie diese Umkehrung zustande kommt und warum die Höhenzahl dabei die falsche Kennzahl ist, steht in unserem Vergleich der Höhenbänder. Kurz: Das Stilfserjoch fährt im Winter gar nicht, sein Schnee liegt ein halbes Jahr unberührt, und das Gebiet ist klein genug, um sich auf den Streifen zu konzentrieren, der noch trägt.

Das war absehbar, und zwar rechnerisch

Wir haben am 4. August die Modelldaten für die kommenden zwei Wochen ausgewertet. Das Ergebnis damals: Die Nullgradgrenze fällt im gesamten Lauf kein einziges Mal unter 3950 Meter, und Neuschnee zeigt das Modell an keinem einzigen Tag.

Saas-Fees Sommergelände reicht bis rund 3600 Meter. Es lag also die ganze Zeit über der Frostgrenze, Tag und Nacht. Das ist keine Prognoseleistung, sondern eine simple Ableitung: Wo es nie friert, friert die Piste auch nicht durch. Der Entscheid vom heutigen Tag ist die betriebliche Konsequenz daraus.

An dieser Lage ändert sich in den nächsten Tagen nichts. Eine Wiederaufnahme vor der zweiten Augusthälfte wäre eine Überraschung.

Einordnung

2022 pausierte Zermatt rund 50 Tage und das Stilfserjoch stand zwei Monate still. Das galt damals als Ausnahmejahr. 2026 sind innerhalb von zwei Wochen drei von vier Alpengebieten ausgefallen, darunter beide Schweizer.

Die Chronik der eingestellten Sommerskigebiete zeigt, wie das Muster aussieht: erst einzelne Pausen, dann kürzere Saisons, irgendwann das endgültige Aus. Saas-Fee und Zermatt sind an Schritt zwei. Der Hintertuxer Gletscher, der seinen Ganzjahresbetrieb im Juli aufgegeben hat, ist weiter.

Ob und wann Saas-Fee diese Saison nochmals öffnet, entscheidet das Wetter. Die Gletschersaison ist bis in den April angekündigt; der Winterbetrieb ist von diesem Entscheid nicht betroffen.

Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald die Bergbahnen den Betrieb wieder aufnehmen.


Stand: 6. August 2026.

Quellen: SKINEWS.CH und Ski Racing zur Betriebseinstellung und den Daten; 20 Minuten zu Anlagenzahl, Trainingsandrang und dem Zitat von Walter Reusser; Mitteilung der Zermatt Bergbahnen vom 31. Juli 2026; eigene Auswertung der Modelldaten von Open-Meteo vom 4. August 2026.