Wie wird der Winter 2026/27?
Die kurze Antwort
Niemand weiss es, und wer etwas anderes behauptet, verkauft dir etwas. Was sich seriös sagen lässt: Die Saison beginnt auf den Gletschern, 2026 mit dem Stilfserjoch am 4. September und dem Schnalstal am 19.; die grossen Gebiete folgen im November, die überwiegende Mehrheit macht im Dezember auf. Alles darüber hinaus ist eine Wahrscheinlichkeit, keine Vorhersage.
Für den Oktober lässt sich inzwischen etwas mehr sagen: Ab dem 10. Oktober rechnen 26 von 31 Modellläufen kälter als normal. Welche Gletschertermine das trägt, steht in unserer Oktober-Prognose, Gebiet für Gebiet.
Was heute tatsächlich bekannt ist
El Niño verstärkt sich weiter. In ihrer Lagebeurteilung vom 8. Oktober 2026 hält die US-Klimabehörde NOAA einen starken bis sehr starken El Niño bis Januar bis März 2027 für wahrscheinlich, mit einer Chance von weiterhin über 83 Prozent. Die Chance auf ein Ereignis, das jedes seit 1950 übertrifft (3-Monats-RONI von +2,5 °C oder mehr), beziffert sie für Oktober bis Dezember auf 83 Prozent und für November bis Januar auf 70 Prozent; im September waren es für Oktober bis Dezember 75 Prozent. Im östlichen äquatorialen Pazifik liegt die Meeresoberfläche stellenweise mehr als 4 Grad über dem Mittel.
Ein Vergleich braucht Vorsicht. Die NOAA nennt den Niño-3.4-Index mit +2,1 °C für den vergangenen Monat, nach +1,8 °C im August. Auch die «über 90 Prozent» für ein sehr starkes Ereignis aus dem September und die jetzt genannten «über 83 Prozent» für ein starkes bis sehr starkes sind nicht dieselbe Grösse und zeigen deshalb keine Abschwächung. Die einzige unmittelbar vergleichbare Zahl, die Rekordchance für Oktober bis Dezember, ist gestiegen.
Über den Schnee in den Alpen sagt das trotzdem wenig. Ein Rekordereignis im Pazifik ist ein starkes Signal für Nordamerika und die Tropen. Für Europa ist der Zusammenhang schwach, indirekt und läuft über die Nordatlantische Oszillation, die sich Monate im Voraus nicht vorhersagen lässt. Ein stärkerer El Niño macht diesen Zusammenhang nicht stärker. Er macht nur die Schlagzeilen lauter.
39 der 99 Gebiete in unserer Übersicht haben einen Starttermin genannt (85 in der Schweiz und die Gletscherskigebiete der Alpen). Am frühesten startete Schnalstaler Gletscher am 19. September 2026. Alle Oktober-Starter haben eines gemeinsam: einen Gletscher.
Was daraus für die Alpen folgt: sehr wenig. Die Begründung steht im nächsten Abschnitt, ausführlich im Beitrag zur Prognose.
Warum eine Langfristprognose für die Alpen wenig taugt
Was den Alpenschnee steuert, ist die Nordatlantische Oszillation, also die Druckverteilung zwischen Island und den Azoren. Eine positive NAO schiebt feuchte Atlantikluft über Europa, eine negative lässt Hochdruck über den Alpen sitzen und trocknet sie aus. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Winter ist im Wesentlichen dieser.
Und die NAO lässt sich Monate im Voraus nicht vorhersagen. Nicht weil die Meteorologie es nicht versuchte, sondern weil sie eine chaotische Grösse ist, deren Vorhersagbarkeit nach rund zwei Wochen endet. Wer dir im August einen Alpenwinter anbietet, sagt entweder etwas anderes vorher oder gar nichts.
Das Signal aus dem Pazifik, das man Monate im Voraus sieht, El Niño, erreicht Europa nur stark verwässert. Statistische Zusammenhänge gibt es, starke El-Niño-Winter zeigen in Mitteleuropa eine leichte Tendenz zu einem kalten Spätwinter, aber sie sind schwach und unzuverlässig. Was El Niño zuverlässig tut, ist das globale Temperaturniveau anheben. In einer ohnehin rekordwarmen Periode steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass Niederschlag in tiefen Lagen als Regen statt als Schnee ankommt.
Das ist der ehrliche Stand: Die Höhe ist die einzige Grösse, die sich vorher prüfen lässt. Alles andere ist zuschauen und abwarten.
Die vier Zahlen, auf die es stattdessen ankommt
| Zahl | Was sie sagt | Ab wann aussagekräftig | Wo nachschauen |
|---|---|---|---|
| NAO (Nordatlantische Oszillation) | Die Druckverteilung zwischen Island und den Azoren. Sie entscheidet, ob die Westlage feuchte Luft in die Alpen schiebt oder ob Hochdruck sie austrocknet. Der mit Abstand wichtigste Faktor für Alpenschnee. | Wenige Tage bis maximal zwei Wochen im Voraus. Monate vorher praktisch nicht. | MeteoSchweiz, NOAA Climate Prediction Center |
| Niño-3.4-Index (ENSO) | Die Meerestemperatur im tropischen Pazifik. Gut belegt für Nordamerika und die Tropen, für Europa nur schwach und indirekt wirksam. | Monate im Voraus bekannt, aber für die Alpen nur ein schwaches Signal. | NOAA, monatliche Lagebeurteilung |
| Schneehöhe an den SLF-Stationen | Was tatsächlich liegt, gemessen und nicht beworben. Die einzige Zahl in dieser Tabelle, die keine Prognose ist. | Ab Mitte November, mit jedem Tag aussagekräftiger. | Unser Schneebericht |
| Angekündigte Saisonstarts | Was die Bergbahnen selbst planen. Eine Absichtserklärung, keine Zusage, aber die konkreteste Zahl, die es im Sommer gibt. | Ab August für die grossen Gebiete, ab Oktober für den Rest. | Unsere Öffnungszeiten-Seite |
Was sich jetzt sinnvoll tun lässt
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Wie wird der Winter 2026/27 in der Schweiz?
Das weiss niemand, und wer etwas anderes behauptet, rät. Bekannt ist: El Niño läuft kräftig, die NOAA hält ein starkes bis sehr starkes Ereignis bis Januar bis März 2027 mit über 83 Prozent für wahrscheinlich. Für die Alpen sagt das wenig, weil der Zusammenhang über die Nordatlantische Oszillation läuft, die sich Monate im Voraus nicht vorhersagen lässt. 39 der 99 Gebiete in unserer Übersicht (85 in der Schweiz und die Gletscherskigebiete der Alpen) haben einen Starttermin genannt; am frühesten startete Schnalstaler Gletscher am 19. September 2026.
Kann man einen Alpenwinter Monate im Voraus vorhersagen?
Nicht brauchbar. Saisonmodelle können etwas für Nordamerika und die Tropen, wo El Niño den Takt vorgibt. Für die Alpen entscheidet die Nordatlantische Oszillation, und die ist wenige Tage bis höchstens zwei Wochen im Voraus greifbar. Alles darüber hinaus ist eine verschobene Wahrscheinlichkeit, keine Prognose.
Was bedeutet El Niño für den Schnee in den Alpen?
Weniger, als die Schlagzeilen nahelegen. Ein Rekordereignis im Pazifik ist ein starkes Signal für Nordamerika und die Tropen. Für Europa ist der Zusammenhang schwach und indirekt, und ein stärkerer El Niño macht ihn nicht stärker. Er macht nur die Berichterstattung lauter.
Ab wann steht fest, wie der Winter wird?
In Stufen. Die Öffnungstermine kommen im September und Oktober, sie sind Absichtserklärungen. Nullgradgrenze und Nordatlantische Oszillation werden etwa eine Woche im Voraus aussagekräftig. Die einzige Zahl, die keine Prognose ist, ist die gemessene Schneehöhe an den SLF-Stationen, und die zählt ab Mitte November.
Was sich hier geändert hat
- NOAA-Lagebeurteilung vom 8. Oktober übernommen: Ein starker bis sehr starker El Niño bleibt bis Januar bis März 2027 wahrscheinlich (über 83 Prozent), die Chance auf ein Rekordereignis für Oktober bis Dezember steigt von 75 auf 83 Prozent, der Niño-3.4-Index liegt bei +2,1 °C. Die Zahlen vom 10. September sind ersetzt. Für die Alpen bleibt die Einschätzung dieselbe.
- Oktober-Ausblick ergänzt. Nach dem amerikanischen Ensemble wird es ab dem 10. Oktober auf 3000 Metern kälter als im Mittel 1991 bis 2020, in 26 von 31 Läufen. Was das für die angekündigten Gletschertermine heisst, rechnet ein eigener Beitrag mit 51 Läufen des europäischen Modells nach.
- Die kurze Antwort sagte, die Saison starte im Oktober auf den Gletschern. Das stimmt nicht mehr: Das Stilfserjoch fährt seit dem 4. September, das Schnalstal seit dem 19. Statt einer Monatsangabe stehen dort jetzt die Termine selbst, die nicht veralten. Titel und Beschreibung der Seite nannten ausserdem den August, in dem sie geschrieben wurde.
- NOAA hat hochgestuft. Die Lagebeurteilung vom 10. September gibt einem sehr starken El Niño über 90 Prozent und einem Rekordereignis für Oktober bis Dezember 75 Prozent. Die Zahlen vom 9. Juli sind ersetzt. An der Einschätzung für die Alpen ändert das nichts, und warum, steht jetzt ausdrücklich dabei.
- Saisondaten von vier Gebieten direkt von den Bergbahnen korrigiert: Stoos (neu November bis April), Meiringen-Hasliberg (19. Dezember bis 29. März), Belalp (12. Dezember bis 4. April) und Chäserrugg bestätigt.
- Seite angelegt. Stand der NOAA-Lagebeurteilung vom 9. Juli 2026 übernommen, Saisonstarts von 13 Gebieten ergänzt.
Diese Seite wird nachgeführt, wenn sich die Lage ändert, nicht nach Kalender. Das Datum oben ist der letzte Zeitpunkt, an dem tatsächlich jemand nachgeschaut hat, nicht der letzte Build.
Kommentare
Was ist dein Tipp für diesen Winter? Früher Schnee oder später Start, Rekordwinter oder Durststrecke, und wo fährst du als Erstes hin? Schreib es hier rein, im Frühling schauen wir, wer recht hatte.
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