Die Zahlen aus dem Pazifik sind eindeutig: Der wöchentliche Niño-3.4-Index steht per 20. Juli 2026 bei +2,1 °C – klares El-Niño-Territorium. In ihrer offiziellen Lagebeurteilung vom 9. Juli 2026 gibt die US-Klimabehörde NOAA dem Ereignis 97 Prozent Wahrscheinlichkeit, bis ins Frühjahr 2027 anzuhalten, und beziffert die Chance auf ein sehr starkes Ereignis im Zeitraum Oktober bis Dezember 2026 auf 81 Prozent. Die Frage, die uns alle interessiert: Heisst das Schnee – oder Schneemangel?
Laufend nachgeführt: Dieser Beitrag ordnet das El-Niño-Ereignis vom Sommer 2026 ein. Den aktuellen Stand zur Frage «wie wird der Winter 2026/27», samt Saisonstarts und den Zahlen, auf die es ankommt, führen wir auf der Seite Winterprognose nach.
Was El Niño ist
Im tropischen Pazifik wehen normalerweise Passatwinde von Südamerika Richtung Asien. Sie schieben warmes Oberflächenwasser nach Westen; vor Peru strömt dafür kaltes Tiefenwasser nach oben. Bei El Niño erlahmen diese Passatwinde, das warme Wasser bleibt im Osten liegen, und der Pazifik vor Südamerika erwärmt sich. Weil eine riesige Meeresfläche plötzlich anders geheizt wird, verschiebt sich die Zirkulation der Atmosphäre weit über den Pazifik hinaus. Das Gegenstück mit besonders kräftigen Passatwinden heisst La Niña.
Gemessen wird an der Meeresoberflächentemperatur im Gebiet «Niño 3.4»: ab 0,5 °C Abweichung spricht man von El Niño, ab 2,0 °C von einem sehr starken Ereignis. Für Nordamerika und die Tropen sind die Folgen gut belegt – für Europa sind sie schwach und indirekt.
Die ehrliche Antwort für die Alpen
Wer dir im Juli einen Alpenwinter aus dem Pazifik vorhersagt, verkauft dir etwas. Die Faktenlage:
- Das ENSO-Signal erreicht Europa nur verwässert. Zwischen Pazifik und Alpen liegen zu viele Wetterküchen. Statistische Zusammenhänge existieren (starke El-Niño-Winter zeigen in Mitteleuropa eine leichte Tendenz zu einem kalten Spätwinter/Februar), sind aber schwach und unzuverlässig.
- Entscheidend für Alpenschnee ist die NAO – die Nordatlantische Oszillation, also die Druckverteilung zwischen Island und den Azoren. Sie bestimmt, ob die Westlage Schnee bringt oder ob Hochdruck die Alpen austrocknet. Und die NAO lässt sich Monate im Voraus praktisch nicht vorhersagen.
- Was El Niño zuverlässig tut: das globale Temperaturniveau anheben. In einer ohnehin rekordwarmen Klimaperiode steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass Niederschlag in mittleren Lagen als Regen statt Schnee fällt. Für Gebiete unter 1500 m ist das die eigentliche Nachricht.
Was das für deine Saisonplanung heisst
- Höhe schlägt Prognose. Wer im Dezember sicher fahren will, bucht hoch – Gletschergebiete und Gebiete mit Skigelände über 2500 m (Übersicht).
- Frühbucher-Angebote nutzen, aber flexibel bleiben. Saisonkarten wie der Magic Pass sind längst gekauft (unser Vergleich); bei Hotelbuchungen lohnen flexible Raten mehr denn je.
- Den Herbst beobachten. Ab Oktober werden die saisonalen Modelle (ECMWF SEAS5, NOAA CFS) für den Alpenraum langsam aussagekräftiger. Wir ordnen die Läufe dann hier im Magazin ein.
Unser Fazit: El Niño 2026/27 ist real und stark – aber er ist ein globales Klimasignal, kein Alpen-Schneebericht. Warum eine Saisonprognose grundsätzlich etwas anderes ist als eine Wettervorhersage, steht in Wetter oder Klima. Misstraue jeder Schlagzeile, die im Sommer einen «Jahrhundertwinter» oder ein «Schneedesaster» verspricht. Wir melden uns, wenn es seriös etwas zu sagen gibt.
Quellen: NOAA Climate Prediction Center, ENSO Diagnostic Discussion (9. Juli 2026), Niño-3.4-Wochenwerte (NOAA/CPC), Einordnungen von MeteoSchweiz und snowplaza zur ENSO-Wirkung in Europa.