Die Zahlen aus dem Pazifik sind eindeutig: Der wöchentliche Niño-3.4-Index steht per 20. Juli 2026 bei +2,1 °C – klares El-Niño-Territorium. Die US-Klimabehörde NOAA gibt dem Ereignis eine Wahrscheinlichkeit von 97 bis 99 Prozent, über den Winter 2026/27 zu bestehen, und rechnet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem starken Ereignis um den Jahreswechsel. Die Frage, die uns alle interessiert: Heisst das Schnee – oder Schneemangel?

Was El Niño ist – in drei Sätzen

El Niño ist eine natürliche Warmphase im tropischen Pazifik, die alle paar Jahre auftritt und das Weltwetter für Monate prägt. Sie verschiebt Niederschlagsmuster global: Dürren hier, Überschwemmungen dort, ein wärmeres globales Mittel fast immer. Für Nordamerika und die Tropen sind die Auswirkungen gut belegt – für Europa sind sie schwach und indirekt.

Die ehrliche Antwort für die Alpen

Wer dir im Juli einen Alpenwinter aus dem Pazifik vorhersagt, verkauft dir etwas. Die Faktenlage:

  • Das ENSO-Signal erreicht Europa nur verwässert. Zwischen Pazifik und Alpen liegen zu viele Wetterküchen. Statistische Zusammenhänge existieren (starke El-Niño-Winter zeigen in Mitteleuropa eine leichte Tendenz zu einem kalten Spätwinter/Februar), sind aber schwach und unzuverlässig.
  • Entscheidend für Alpenschnee ist die NAO – die Nordatlantische Oszillation, also die Druckverteilung zwischen Island und den Azoren. Sie bestimmt, ob die Westlage Schnee bringt oder ob Hochdruck die Alpen austrocknet. Und die NAO lässt sich Monate im Voraus praktisch nicht vorhersagen.
  • Was El Niño zuverlässig tut: das globale Temperaturniveau anheben. In einer ohnehin rekordwarmen Klimaperiode steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass Niederschlag in mittleren Lagen als Regen statt Schnee fällt. Für Gebiete unter 1500 m ist das die eigentliche Nachricht.

Was das für deine Saisonplanung heisst

  1. Höhe schlägt Prognose. Wer im Dezember sicher fahren will, bucht hoch – Gletschergebiete und Gebiete mit Skigelände über 2500 m (Übersicht).
  2. Frühbucher-Angebote nutzen, aber flexibel bleiben. Saisonkarten wie der Magic Pass sind längst gekauft (unser Vergleich); bei Hotelbuchungen lohnen flexible Raten mehr denn je.
  3. Den Herbst beobachten. Ab Oktober werden die saisonalen Modelle (ECMWF SEAS5, NOAA CFS) für den Alpenraum langsam aussagekräftiger. Wir ordnen die Läufe dann hier im Magazin ein.

Unser Fazit: El Niño 2026/27 ist real und stark – aber er ist ein globales Klimasignal, kein Alpen-Schneebericht. Misstraue jeder Schlagzeile, die im Sommer einen «Jahrhundertwinter» oder ein «Schneedesaster» verspricht. Wir melden uns, wenn es seriös etwas zu sagen gibt.


Quellen: NOAA Climate Prediction Center, ENSO Diagnostic Discussion (Juli 2026), Niño-3.4-Wochenwerte (NOAA/CPC), Einordnungen von MeteoSchweiz und snowplaza zur ENSO-Wirkung in Europa.