Der Winter 2025/26 war schneearm. Die mittleren Schneehöhen im Alpenraum gehören zu den fünf niedrigsten seit 1991, die Nordalpen erlebten den zweittrockensten Winter seit 1991, die Südalpen den trockensten überhaupt. Im Dezember lag die Temperatur oberhalb von 1500 Metern 3,4 Grad über dem Mittel.
Die naheliegende Erwartung wäre ein Einbruch. Was tatsächlich herauskam, ist interessanter.
Die Zahl, die alle zitieren
Minus 2 Prozent Ersteintritte gegenüber dem Vorwinter. Das ist das Ergebnis des Saisonmonitorings von Seilbahnen Schweiz, erhoben bei über 140 Unternehmen, die zusammen für 90 Prozent des Branchenumsatzes stehen.
Minus 2 Prozent nach einem solchen Winter ist bemerkenswert wenig. Und es verdeckt einen Saisonverlauf, der in sich extrem war.
Der Verlauf: von minus 37 auf plus 28
Der Start war ein Desaster: Bis Mitte Dezember fehlten 37 Prozent der Gäste. Die Weihnachtsferien, für viele Gebiete der umsatzstärkste Block des Jahres, lagen 14 Prozent unter dem Vorjahr. Die Sportferien im Februar erreichten fast das Vorjahresniveau, denn der Februar war der einzige Monat, der beim Niederschlag über dem Mittel 1991 bis 2020 lag.
Und dann kippte es. Ab dem 16. März 28 Prozent mehr, im April 23 Prozent mehr als im Vorjahr, und das obwohl Ostern früh fiel und viele Gebiete deshalb kürzer offen hatten.
Wer nur die Schlagzeile «minus 2 Prozent» liest, verpasst also die eigentliche Geschichte: Diese Saison wurde in den letzten sechs Wochen gerettet.
Die Höhe entschied, wie immer
| Höhenlage | Ersteintritte gegenüber Vorjahr |
|---|---|
| über 2000 m | auf Vorjahresniveau |
| 1500 bis 2000 m | −3 % |
| unter 1500 m | −6 % |
Das ist das immer gleiche Muster, und es war in diesem Winter besonders scharf. Wer hoch liegt, hatte eine Saison. Wer tief liegt, hatte einen Start, der nicht stattfand, und danach zu wenig Zeit.
Ein zweiter Schnitt zeigt dasselbe von einer anderen Seite: Destinationen mit Übernachtungsgästen oder gemischtem Publikum kamen auf plus 1 Prozent, ausgesprochene Tagesausflugsgebiete auf minus 3. Wer im Hotel liegt, fährt auch bei mässigem Wetter Ski, weil er schon da ist. Der Tagesgast schaut am Samstagmorgen aus dem Fenster und bleibt zu Hause.
Die Regionen
| Region | Ersteintritte |
|---|---|
| Wallis | +2 % |
| Waadtländer und Freiburger Alpen | +2 % |
| Tessin | +1 % |
| Zentralschweiz | −5 % |
| Ostschweiz | −9 % |
Die Ostschweiz mit ihren vergleichsweise tief gelegenen Gebieten trug den Winter am schwersten. Das Wallis, wo die grossen Gebiete durchwegs hoch liegen, schloss im Plus.
Der Vergleich, bei dem man aufpassen muss
Seilbahnen Schweiz nennt neben dem Minus von 2 Prozent auch ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Fünfjahresschnitt. Diese Zahl wurde breit zitiert, und sie ist richtig, aber sie braucht eine Fussnote.
Der Fünfjahresschnitt für 2025/26 umfasst die Winter 2020/21 bis 2024/25. Darin steckt der Pandemiewinter 2020/21, in dem die Schweizer Gebiete zwar offen waren, aber ohne ausländische Gäste und ohne Bergrestaurants. Ein Durchschnitt, der einen solchen Ausnahmewinter enthält, liegt tiefer als ein normaler, und ein Plus dagegen sieht grösser aus, als es ist. Das ist unsere Einordnung, nicht die des Verbands.
Und jetzt der Widerspruch
Während die Bahnen 2 Prozent verloren, meldete die Hotellerie für dieselbe Wintersaison von November bis April einen Rekord: 18,7 Millionen Logiernächte, plus 1,1 Prozent. Inland plus 1,6, Ausland plus 0,5 Prozent.
Ein Rekordwinter in den Betten und ein Minus an den Liften, im selben Land, im selben Zeitraum. Das sieht nach einem Fehler aus. Es ist keiner, und die Auflösung steht in der Regionaltabelle des Bundesamts für Statistik:
| Tourismusregion | Logiernächte gegenüber Vorjahr |
|---|---|
| Tessin | +7,2 % (+49’000) |
| Genferseegebiet | +2,5 % (+42’000) |
| Zürich | +1,6 % (+51’000) |
| Wallis | +0,7 % (+15’000) |
| Graubünden | +0,1 % (+2’800) |
Der Rekord kam aus den Städten und aus dem Tessin, nicht aus den Skigebieten. Graubünden, der grösste Skikanton des Landes, legte um 2800 Logiernächte zu. Das sind 0,1 Prozent, also statistisch Stillstand. Zürich allein brachte fast zwanzigmal mehr zusätzliche Nächte als Graubünden.
Die Schweizer Hotellerie hat einen Rekordwinter erlebt. Die Schweizer Skigebiete haben ihn nicht erlebt.
Ein zweiter Widerspruch, der schwerer aufzulösen ist
Es gibt eine Stelle, an der die beiden Statistiken tatsächlich gegeneinanderlaufen, und wir wollen sie nicht glätten.
Die Hotellerie meldet: starke Zunahme von Dezember bis Februar, Rückgang ab März. Die Bergbahnen melden das genaue Gegenteil: schwacher Dezember, starker März und April.
Drei Erklärungen bieten sich an, und sie schliessen einander nicht aus.
- Es wird Verschiedenes gezählt. Logiernächte umfassen die ganze Schweiz einschliesslich Städtereisen, Geschäftsreisen und Kongressen. Ersteintritte zählen nur, wer an einem Skilift durchgeht.
- Betten werden früh gebucht, Skitage spontan entschieden. Wer im Oktober für Weihnachten bucht, kommt auch, wenn im Dezember kein Schnee liegt; er fährt dann nur weniger Ski. Umgekehrt entscheidet sich der Tagesgast im März am Vorabend, und der taucht in keiner Hotelstatistik auf.
- Ostern lag früh. Das verschiebt Nächte zwischen März und April und macht Monatsvergleiche in diesem Frühling generell unzuverlässig.
Punkt 2 ist die plausibelste Erklärung für die Gegenläufigkeit, und sie passt zu dem, was Seilbahnen Schweiz zum Unterschied zwischen Übernachtungs- und Tagesgebieten sagt. Sicher belegt ist sie damit nicht. Wir schreiben sie als Lesart auf, nicht als Befund.
Und der Umsatz?
Hier müssen wir passen, zumindest teilweise. Eine separate Umsatzzahl für die Wintersaison 2025/26 wurde nicht veröffentlicht. Bekannt ist der Jahresumsatz der Branche für das Kalenderjahr 2025: 1,8 Milliarden Franken, davon rund die Hälfte aus dem Winter, ein Fünftel aus dem Sommer und 18 Prozent aus Gastronomie und Beherbergung.
Was sich sagen lässt: Ein Minus von 2 Prozent bei den Eintritten bedeutet nicht automatisch ein Minus von 2 Prozent beim Ertrag. Die Preise sind gestiegen, dynamische Tarife verschieben Umsatz in die stark nachgefragten Tage, und ein starker März und April verkaufen mehr Tageskarten zum vollen Preis als ein starker Dezember. Wer die Ertragszahlen der einzelnen Bergbahnen im Herbst liest, wird deshalb vermutlich freundlichere Zahlen sehen als das Minus von 2 Prozent vermuten lässt. Nachtragen werden wir das, wenn die Geschäftsberichte da sind.
Was das für den nächsten Winter heisst
Drei Dinge sind aus dieser Saison zu lernen.
Erstens: Der Saisonstart ist die Schwachstelle geworden, nicht das Saisonende. Minus 37 Prozent bis Mitte Dezember, dann plus 28 ab Mitte März. Zwei Jahrzehnte lang galt der Frühling als der wacklige Teil des Winters. Inzwischen ist es der Anfang.
Zweitens: 1500 Meter ist die Grenze, an der es weh tut. Nicht 2000, nicht 1000. Unter 1500 Metern war dieser Winter ein Verlustgeschäft, dazwischen ging es knapp auf.
Drittens: Wer Gäste im Ort hat, ist stabiler als wer auf Tagesausflügler wartet. Plus 1 gegen minus 3, bei identischem Wetter.
Wie es weitergeht und wann die Gebiete diesen Winter öffnen wollen, steht in unserer Winterprognose und in der Übersicht der Öffnungsdaten 2026/27.
Stand: 10. August 2026. Die Zahlen beziehen sich auf die abgeschlossene Wintersaison 2025/26. Die Einordnung des Fünfjahresschnitts und die Erklärungsansätze zum Auseinanderlaufen der beiden Statistiken sind unsere eigene Lesart und als solche gekennzeichnet.
Quellen: Seilbahnen Schweiz, Saisonmonitoring April 2026 und die Schlussbilanz vom 6. Mai 2026 (Ersteintritte, Saisonverlauf, Höhenbänder, Regionen, Gästemix); Bundesamt für Statistik zur Wintersaison 2025/26 in der Hotellerie (18,7 Millionen Logiernächte, Regionen, Monatsverlauf); Deutscher Wetterdienst zum Alpenklima im Winterhalbjahr 2025/26 (Schneehöhen, Niederschlagsdefizite, Dezembertemperatur); Branchenumsatz 2025 nach Seilbahnen Schweiz.