Im Juli 2026 fielen in den chilenischen Anden fünf Meter Schnee in acht Tagen. Im selben Sommer stellte Zermatt den Sommerskibetrieb ein, weil es zu warm war. Wer das nebeneinanderlegt, hört schnell zwei Sätze, die beide falsch sind: «Seht ihr, die Erwärmung gibt es gar nicht» und «Das ist alles der Klimawandel».
Der Unterschied dahinter ist einfach, wird aber ständig durcheinandergebracht.
Die kurze Version
Wetter ist der Zustand der Atmosphäre gerade jetzt an einem Ort. Klima ist die Statistik des Wetters über lange Zeit, üblicherweise 30 Jahre.
Eine oft benutzte Eselsbrücke: Das Wetter bestimmt, was du heute anziehst. Das Klima bestimmt, was in deinem Schrank hängt.
Ein einzelner Tag, ein einzelner Sturm, ein einzelner Sommer sind Wetter. Ob sich der Schrankinhalt über Jahrzehnte verändert, ist Klima.
Was das konkret bedeutet
| Wetter | Klima | |
|---|---|---|
| Zeitraum | Stunden bis Wochen | Jahrzehnte, Standard 30 Jahre |
| Frage | Wie ist es gerade? | Was ist hier normal? |
| Vorhersagbar | einige Tage brauchbar | als Trend, nicht als Einzeltag |
| Beispiel | 41,8 °C in Möckern-Drewitz | Zahl der Hitzetage pro Jahrzehnt |
- Einzelnes Jahr, das ist Wetter
- Trend über Jahrzehnte, das ist Klima
- Ein kühles Jahr trotz steigendem Trend
Deshalb kann man beides gleichzeitig sagen, ohne sich zu widersprechen: Der Juli 2026 brachte den Anden einen Rekordwinter und die Alpengletscher verlieren seit Jahrzehnten Masse. Das eine ist eine Momentaufnahme, das andere eine Zeitreihe.
Warum Extreme in beide Richtungen zunehmen
Ein Punkt, der oft fehlt: Eine wärmere Atmosphäre bedeutet nicht nur «überall wärmer», sondern auch feuchter. Pro Grad Erwärmung kann Luft rund 7 Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Dieser Zusammenhang ist Physik, keine Modellannahme.
Die Folge ist unbequem für einfache Erzählungen: Wenn so eine Luftmasse sich abregnet oder abschneit, steht mehr Wasser zur Verfügung. Deshalb können Rekordniederschläge und Rekordhitze zur selben Zeit zunehmen. Der Sturm in den Anden war ein sogenannter atmosphärischer Fluss, also genau so ein sehr feuchtes Luftband.
Wichtig bleibt: Damit ist noch nicht gesagt, dass dieser eine Sturm ohne Erwärmung nicht stattgefunden hätte. Solche Zuordnungen macht die Attributionsforschung, und sie braucht Rechenzeit und Daten, nicht Bauchgefühl.
Woran man eine seriöse Aussage erkennt
Drei Prüffragen, die im Alltag meistens reichen:
- Zeitraum genannt? «Der wärmste Juni seit Messbeginn 1864» ist überprüfbar. «So warm wie nie» ist es nicht.
- Einzelwert oder Reihe? Ein Rekordtag beweist wenig. Die Zahl der Hitzetage pro Jahrzehnt beweist viel.
- Quelle mit Messnetz? Wetterdienste wie MeteoSchweiz, DWD oder Météo France betreiben eigene Stationen. Ein Screenshot einer Wetter-App ist keine Quelle.
Und für Skifahrer?
Für die Frage «Wie wird der kommende Winter?» ist die Antwort ernüchternd: Das ist Wetter, und Wetter ist über etwa zehn Tage hinaus nicht seriös vorhersagbar. Saisonprognosen arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Schneehöhen – dazu mehr in El Niño und der Winter 2026/27.
Für die Frage «Wie sieht es in 20 Jahren mit dem Gletscherskifahren aus?» ist es dagegen Klima, und da ist die Datenlage eindeutig. Gletscher sind Speicher: Was ein Sommer wegnimmt, kommt in einem kühlen Jahr nicht zurück. Deshalb sagt die Reihe der Sommer 2003, 2015, 2018, 2022 und 2026 mehr aus als jeder einzelne davon. Die konkreten Zahlen dazu stehen in der Gletscher-Rubrik und in der Chronik der Sommerskigebiete.
Quellen: Definitionen nach WMO (Klimanormalperiode 30 Jahre) und MeteoSchweiz. Zum Zusammenhang von Temperatur und Wasserdampfgehalt: Clausius-Clapeyron-Beziehung, rund 7 Prozent pro Grad. Dieser Beitrag ist ein Erklärstück und wird bei Bedarf aktualisiert, er berichtet nicht über ein einzelnes Ereignis.