Über Kunstschnee wird viel behauptet und wenig gerechnet. Wir haben die verfügbaren Zahlen zusammengetragen, auf eine begreifbare Einheit heruntergebrochen und gegengeprüft. Zwei der drei Rechnungen gehen sauber auf. Die dritte nicht, und das ist der interessanteste Teil.

Die Ausgangszahlen

Seilbahnen Schweiz gibt für die technische Beschneiung in der Schweiz an:

GrösseWertStand
Stromverbrauch65 GWh pro Winter2022
Wasserverbrauch13 Milliarden Liter (13 Mio. m³)2022
beschneibare Pistenflächerund 121 km² (12 100 ha)2022
Anteil beschneibarer Pisten54 Prozent2022

Zum Vergleich: 1990 waren es ein Prozent. Österreich und Italien liegen heute bei 70 bis 90 Prozent, Deutschland und Frankreich bei 25 bis 39.

Rechnung 1: der Strom, und er geht auf

Eine ältere Studie der Universität St. Gallen bezifferte den Energiebedarf 2009 auf 31 500 kWh pro beschneitem Pistenkilometer und Jahr. Durch effizientere Anlagen hat sich der Wert seither etwa halbiert, auf rund 17 000 kWh pro Kilometer.

Prüfen wir das gegen die Gesamtzahl: 65 GWh geteilt durch 17 000 kWh ergibt rund 3800 beschneite Pistenkilometer. Die Schweiz hat etwa 7000 Pistenkilometer, davon 54 Prozent beschneibar – also rund 3780. Die beiden Zahlen treffen sich auf ein halbes Prozent genau. Zwei unabhängige Wege, dasselbe Ergebnis: Diese Grössenordnung stimmt.

Was bedeuten 17 000 kWh? Ein Schweizer Vierpersonenhaushalt braucht rund 4500 kWh Strom im Jahr:

1 km Piste Beschneiung, eine Saison
17 000 kWh
4-Pers.-Haushalt Strom, ein ganzes Jahr
4 500 kWh
E-Auto 15 000 km Fahrleistung
2 700 kWh
Ein Kilometer beschneite Piste verbraucht in einer Saison etwa so viel Strom wie vier Haushalte in einem ganzen Jahr. Beschneiung: Universität St. Gallen / Seilbahnen Schweiz. Haushalt und E-Auto: übliche Schweizer Richtwerte.

Rechnung 2: das Wasser, und hier klemmt es

Jetzt dasselbe mit dem Wasser. 13 Millionen Kubikmeter verteilt auf 12 100 Hektaren beschneibarer Fläche ergibt rund 1075 m³ pro Hektare und Saison.

Diese Zahl lässt sich physikalisch prüfen. Maschinenschnee hat eine Dichte von etwa 400 bis 500 kg/m³, deutlich mehr als Naturschnee. Rechnet man die üblichen Verluste durch Verdunstung und Windverfrachtung ein, ergibt ein Kubikmeter Wasser grob zwei Kubikmeter Maschinenschnee. Eine Grundbeschneiung von 30 Zentimetern auf einer Hektare braucht also 3000 m³ Schnee, das sind rund 1500 m³ Wasser. Mit den Nachbesserungen im Lauf der Saison landet man bei 3000 bis 4500 m³ pro Hektare.

Das ist drei- bis viermal mehr, als die Gesamtzahl hergibt. Und tatsächlich kursiert für 2019 auch eine Angabe von über 4,5 Millionen Litern, also 4500 m³, pro beschneiter Hektare und Saison. Beide Zahlen können nicht gleichzeitig für dasselbe stimmen.

Die Auflösung, und wer sie liefert

Die ehrlichste Antwort kommt aus der Forschung selbst. Fabian Wolfsperger vom SLF sagt zur Wasserzahl, sie sei «schwierig zu beziffern», weil eine vollständige Datenerhebung bei den Skigebieten nicht immer möglich sei.

Damit lassen sich die Zahlen versöhnen, und zwar auf zwei Arten, die sich nicht ausschliessen:

  1. Beschneibar ist nicht beschneit. Die 121 km² sind die Fläche, die technisch beschneit werden könnte. Tatsächlich beschneit wird in einem normalen Winter deutlich weniger, und selten überall auf volle Tiefe. 13 Mio. m³ geteilt durch 4500 m³ pro Hektare ergäbe rund 2900 voll beschneite Hektaren – etwa ein Viertel der beschneibaren Fläche.
  2. Die Gesamtzahl ist womöglich zu tief. Wenn nicht alle Gebiete vollständig melden, ist 13 Mio. m³ eine Untergrenze, kein Messwert.

Wir halten fest, was belastbar ist: Pro Hektare tatsächlich beschneiter Piste gehen 3000 bis 4500 m³ Wasser weg – das deckt sich mit der Physik und mit der Feldangabe von 2019. Die oft zitierte Schweizer Gesamtzahl von 13 Millionen Kubikmetern ist mit Vorsicht zu geniessen und bezieht sich vermutlich auf weniger Fläche, als der Nebensatz «beschneibar» suggeriert.

Auf einen Pistenkilometer (bei rund 3,2 Hektaren pro Kilometer) heruntergerechnet heisst das: 10 000 bis 14 000 Kubikmeter Wasser pro Kilometer und Saison. Das ist ein Schwimmbecken von 50 mal 25 Metern, fünf bis sieben Mal gefüllt.

Rechnung 3: was das fürs Klima bedeutet

Hier wird es unbequem für beide Lager. Beim Schweizer Verbrauchermix von rund 128 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilowattstunde ergeben 65 GWh gut 8000 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Winter für die gesamte Schweizer Beschneiung.

Das klingt nach viel. Zum Vergleich: Ein Hin- und Rückflug Zürich–New York verursacht pro Passagier rund eine Tonne. Die gesamte Schweizer Beschneiung entspricht damit etwa 8000 Transatlantikflügen – also einem einzigen gut gefüllten Flugtag.

Damit ist nichts entschuldigt, aber die Verhältnisse rücken sich zurecht. Bei der Klimabilanz des Skifahrens ist der grösste Posten nicht der Schnee, sondern die Anreise der Gäste. Wer das Thema Kunstschnee als den entscheidenden Klimahebel behandelt, redet über ein paar Prozent und lässt den Rest unbesprochen.

Das eigentliche Problem der Beschneiung ist ein anderes und ein lokales: der Wasserentzug aus Bergbächen und Speicherseen in einer Jahreszeit, in der die Abflüsse ohnehin am tiefsten sind, und der Flächen- und Landschaftsverbrauch für Speicherbecken und Leitungen. Das sind Fragen der Region, nicht der Atmosphäre.

Und die eine Grenze, gegen die kein Geld hilft

Beschneiung braucht Kälte. Genauer: eine Feuchtkugeltemperatur von etwa minus 3 Grad oder tiefer – ein Wert, der Temperatur und Luftfeuchte zusammenfasst. Bei minus 2 Grad und hoher Luftfeuchte läuft keine Kanone, egal wie viel Wasser und Strom bereitstehen.

Genau hier greift die Erwärmung an. Nicht indem sie den Schnee wegschmilzt, sondern indem sie die Nächte verkürzt, in denen überhaupt produziert werden kann. Und deshalb ist die Zahl, die den Skiwinter 2035 entscheiden wird, nicht der Wasserverbrauch pro Hektare, sondern die Anzahl beschneibarer Nächte im November.

Wie das mit Wetter und Klima zusammenhängt und warum das zwei verschiedene Dinge sind, steht in unserem Erklärstück dazu.


Stand: 4. August 2026. Die Umrechnungen auf Pistenkilometer, Hektaren und CO₂ sind eigene Rechnungen aus den genannten Ausgangswerten und als Grössenordnung zu lesen, nicht als Messwerte.

Quellen: Seilbahnen Schweiz (Strom, Wasser, Flächen, Anteile, Stand 2022), zitiert nach SRF; Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St. Gallen (Energiebedarf pro Pistenkilometer, 2009, seither halbiert); Einschätzung zur Datenqualität von Fabian Wolfsperger, SLF; Wikipedia zur Schneekanone für Verbrauchswerte und historische Anteile; CO₂-Faktor Schweizer Verbrauchermix nach KBOB-Richtwert.