Seit dem 15. August fährt in den Alpen niemand mehr Ski. Vier Gletscher haben im Sommer 2026 zugemacht, und Zermatt hat den Betrieb ausdrücklich nur ausgesetzt: Man nehme ihn wieder auf, sobald die natürlichen Voraussetzungen es zulassen.
Nur sagt niemand, welche Voraussetzungen das sind.
Wir haben es ausgerechnet. Nicht aus einer Wetter-App, sondern aus dem letzten Mal, als genau das passiert ist: 2022 stoppte Zermatt den Sommerskibetrieb im Hochsommer und nahm ihn nach rund fünfzig Tagen am 20. September wieder auf. Die Woche davor ist der Massstab, an dem sich jede heutige Prognose messen lassen muss.
Was 2022 tatsächlich gereicht hat
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| Tag | Tiefstwert | Hoechstwert | Ganztags unter null |
|---|---|---|---|
| 10.9. | -7.6 °C | 0.0 °C | nein |
| 11.9. | -8.1 °C | 3.3 °C | nein |
| 12.9. | -5.3 °C | 6.2 °C | nein |
| 13.9. | -2.0 °C | 8.3 °C | nein |
| 14.9. | 0.2 °C | 5.5 °C | nein |
| 15.9. | -4.7 °C | 2.7 °C | nein |
| 16.9. | -6.3 °C | 0.2 °C | nein |
| 17.9. (2,9 cm Schnee) | -11.5 °C | -5.8 °C | ja |
| 18.9. | -11.2 °C | -3.2 °C | ja |
| 19.9. | -9.2 °C | -2.5 °C | ja |
| 20.9. (wieder offen) | -8.4 °C | -0.6 °C | ja |
| 21.9. | -9.1 °C | 0.5 °C | nein |
| 22.9. | -8.2 °C | 1.2 °C | nein |
Der Befund ist schärfer, als wir erwartet hatten. Kalte Nächte allein waren es nicht: Vom 1. bis zum 16. September 2022 lag die Tiefsttemperatur an fünfzehn von sechzehn Tagen unter null, und trotzdem blieb der Betrieb zu.
Gedreht hat es erst, als die Tage selbst nicht mehr über null kamen. Am 17. September fiel Schnee, das Tagesmaximum lag bei minus 5,8 Grad, und danach folgten drei weitere Tage, an denen es durchgehend fror. Am vierten machte Zermatt auf.
Physikalisch ist das plausibel. Eine Firnpiste trägt, wenn die Schneedecke durchfriert, und zwar nicht nur an der Oberfläche. Eine kalte Nacht härtet die obersten Zentimeter; die tauen am nächsten Nachmittag wieder auf. Erst wenn ein Tag gar nicht erst antaut, arbeitet sich der Frost nach unten. Genau davon lebt eine präparierbare Sommerpiste.
Was bis Mitte September ansteht
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| Tag | Tiefstwert | Hoechstwert | Ganztags unter null |
|---|---|---|---|
| 31.8. | 0.9 °C | 3.1 °C | nein |
| 1.9. | 0.9 °C | 3.1 °C | nein |
| 2.9. | 0.1 °C | 5.5 °C | nein |
| 3.9. | 1.2 °C | 8.6 °C | nein |
| 4.9. | 5.0 °C | 10.5 °C | nein |
| 5.9. | 4.1 °C | 8.3 °C | nein |
| 6.9. | 4.0 °C | 8.7 °C | nein |
| 7.9. | 0.1 °C | 7.9 °C | nein |
| 8.9. | -2.2 °C | 7.2 °C | nein |
| 9.9. | -5.9 °C | 6.8 °C | nein |
| 10.9. | -5.4 °C | 4.8 °C | nein |
| 11.9. | -3.0 °C | 2.1 °C | nein |
| 12.9. | -6.9 °C | 2.8 °C | nein |
| 13.9. | -0.4 °C | 1.8 °C | nein |
| 14.9. | -5.2 °C | 0.6 °C | nein |
| 15.9. | -4.6 °C | 6.6 °C | nein |
Die erste Woche ist mild bis warm, mit einem Ausschlag am 4. September, an dem die Nullgradgrenze auf 4570 Meter steigt. Danach kommt tatsächlich Kälte: acht Frostnächte, die kälteste mit minus 6,9 Grad am 12. September.
Und trotzdem lautet die Antwort nein. Denn das Kriterium von 2022 ist nicht die Nacht, sondern der Tag, und der wärmste Moment bleibt an allen sechzehn Tagen über null. Der kälteste Tag der ganzen Vorschau, der 14. September, kommt mit plus 0,6 Grad ans Ziel heran und verfehlt es.
Dazu kommt das, was schon im Kälteeinbruch von Ende August gefehlt hat: Schnee. Über sechzehn Tage rechnet das Modell mit 2,1 Zentimetern auf dem Theodulgletscher. 2022 fielen allein am Tag des Umschwungs 2,9.
Die vier Gebiete im Vergleich
Die Rangfolge ist keine Überraschung, aber ihre Deutlichkeit ist eine. Zwischen Zermatt und dem Stilfserjoch liegen 300 Höhenmeter und vier Grad in der kältesten Nacht.
| Gebiet | Höhe | Frostnächte | Tage ganz unter null | Neuschnee |
|---|---|---|---|---|
| Zermatt, Theodulgletscher | 3500 m | 8 von 16 | 0 | 2,1 cm |
| Saas-Fee, Feegletscher | 3400 m | 7 von 16 | 0 | 10,5 cm |
| Hintertuxer Gletscher | 3250 m | 3 von 16 | 0 | 0 cm |
| Stilfserjoch, Gentili | 3200 m | 2 von 16 | 0 | 0 cm |
Die 10,5 Zentimeter für Saas-Fee sind der einzige Lichtblick in der Tabelle, und sie stehen auf wackligen Beinen: Sie fallen im Modell komplett an einem einzigen Tag, dem 14. September, also weit jenseits der belastbaren Frist.
Was das Wetter nicht entscheidet
Hier hört die Rechnung auf, und das gehört dazu.
Zermatt hat den Betrieb ausgesetzt, nicht beendet, und schreibt, er werde umgehend wieder aufgenommen, sobald die natürlichen Voraussetzungen es zulassen. In derselben Mitteilung steht aber noch ein zweiter Satz, der in den meisten Berichten fehlt: Die Herausforderungen für den technischen Unterhalt der Transportanlagen nähmen laufend zu. Frost repariert keine Bahn. Was 2022 geholfen hat, war neben der Kälte auch, dass die Unterhaltsarbeiten während der Schliessung weiterliefen und die Anlagen bereit waren, als das Wetter kam.
Saas-Fee hat anders formuliert und deutlicher: Pisten und Gletscherinfrastruktur erfüllten die Standards nicht mehr. Das ist kein Satz, den man mit einer kalten Woche aufhebt. Der nächste angekündigte Termin dort ist der Winterbetrieb ab dem 1. November.
Hintertux hat als einziges der vier Gebiete gar nicht wegen des Wetters aufgehört, sondern wegen der Nachfrage im Hochsommer. Für dieses Gebiet ist die Temperaturrechnung deshalb nur die halbe Antwort. Die andere Hälfte ist eine betriebswirtschaftliche, und die dreht sich im Herbst von selbst, wenn die Trainingsteams zurückkommen.
Das Stilfserjoch liegt am tiefsten, bekommt am wenigsten Frost und hat die kürzeste Saison. 2022 machte es am selben Tag wieder auf wie Zermatt. Diesmal steht es in unserer Rechnung am schlechtesten da.
Die eine Zahl, auf die man schauen muss
Wer wissen will, ob sich etwas bewegt, braucht keine Schneehöhe und keine Pressemitteilung. Es reicht eine Frage:
Gibt es einen Tag, an dem es auf 3500 Metern auch am Nachmittag nicht über null Grad wird?
Kommt dieser Tag, und kommen drei weitere hinterher, dann wird es interessant. Bis dahin ist jede Meldung über Schnee in Zermatt genau das: eine Meldung über Schnee, nicht über Skibetrieb. Wir führen den Status auf den Gebietsseiten von Zermatt und Saas-Fee nach, sobald sich etwas ändert.
Und die ehrlichste Antwort auf die Titelfrage: vor Mitte September sehr wahrscheinlich nicht. Was danach kommt, kann heute niemand seriös sagen, denn 2022 kippte es erst in der dritten Septemberwoche, und so weit reicht kein Modell.
Wo diese Rechnung an ihre Grenzen kommt
- Nach acht Tagen ist es keine Prognose mehr. In der Vorschau steht für den 9. September gleichzeitig eine Nullgradgrenze von 4570 Metern und eine Tiefsttemperatur von minus 5,9 Grad auf 3500 Metern. Beides zusammen ist physikalisch unmöglich. Die Nullgradgrenze ist ein Feld des Modellgitters, die Temperatur wird auf die vorgegebene Höhe heruntergerechnet, und am Rand des Vorhersagezeitraums laufen die beiden auseinander. Wir stützen die Aussage deshalb auf die Temperatur und schreiben die Trennlinie in die Grafik.
- 2022 und 2026 kommen aus zwei verschiedenen Systemen. Die Werte für 2022 stammen aus der ERA5-Reanalyse, die für 2026 aus dem laufenden Vorhersagelauf. Der Vergleich zeigt die Grössenordnung, nicht die zweite Nachkommastelle.
- Keine der Zahlen ist gemessen. Es sind auf die Geländehöhe gerechnete Modellwerte, keine Stationsdaten. Für die Frage, ob ein Tag über oder unter null liegt, sind sie belastbar genug. Für eine Punktlandung auf ein halbes Grad nicht.
- Wir kennen die Schwelle der Bahnen nicht. Die vier Tage von 2022 sind das, was zuletzt gereicht hat, keine Regel, die irgendwo festgeschrieben wäre. In die Entscheidung spielen Pistenbreite, Spaltenzustand, Personal, Unterhalt und Nachfrage hinein.
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Quellen und Methode
- Archivdaten 2022: Open-Meteo, ERA5-Reanalyse, Zeitraum 1. bis 22. September 2022, Höhe fest auf 3500 m (Zermatt) beziehungsweise 3200 m (Stilfserjoch). Abgerufen am 31. August 2026.
- Prognosedaten 2026: Open-Meteo, das die Modelle von MeteoSchweiz und dem
DWD zusammenführt, Zeitraum 31. August bis 15. September 2026, Höhen 3500,
3400, 3250 und 3200 m. Abgerufen am 31. August 2026. Die Abfrage steht als
Skript im Projekt (
scripts/wetterausblick.mjs). - Wiedereröffnung 2022: Bericht von schneehoehen.ch vom 19. September 2022, der die Zermatt Bergbahnen und den Direktor der S.I.F.A.S. zitiert. Die Medienmitteilung der Bergbahnen selbst ist nicht mehr abrufbar.
- Aussagen der Bahnen 2026: Bericht auf seilbahn.net vom 5. August 2026 mit der Mitteilung der Zermatt Bergbahnen, Mitteilung der Saastal Bergbahnen vom 10. August 2026, Mitteilung der Zillertaler Gletscherbahnen vom 26. Juli 2026.
- Angekündigte Wintertermine: eigener Datensatz
(
src/data/saisonstart.json), Stand 21. August 2026.