Es ist ein Satz auf einer Website, und er markiert das Ende von etwas.
Die S.I.F.A.S., die Betreiberin der Anlagen am Stilfserjoch, hat heute mitgeteilt, dass sie ab dem 15. August 2026 den Skibetrieb auf dem Gentili-Gletscher bis auf Weiteres einstellt.
Was die Betreiberin schreibt
Die Mitteilung ist ungewöhnlich offen für eine Bergbahn. Sie nennt drei Gründe, und keiner davon ist der Schneemangel:
Anhaltende Hitzewellen, die auch in grossen Höhen verzeichnet wurden; fehlende nächtliche Abkühlung und Rückgefrieren der Schneedecke; häufige Gewitter, die den Zustand des Gletschers zusätzlich beeinträchtigt haben.
Und weiter:
Diese Faktoren machen es unmöglich, die gewohnten Qualitäts- und vor allem Sicherheitsstandards zu gewährleisten, die für den Sommerskilauf erforderlich sind.
Die Bahn auf den Gletscher fährt weiter, ausdrücklich. Wer hinauf will, kommt hinauf. Nur Ski fahren kann er dort nicht mehr.
Das Wort «vorübergehend» steht im Titel der Mitteilung, und man sollte es ernst nehmen: Die S.I.F.A.S. hofft auf sinkende Temperaturen und behält eine Wiedereröffnung ausdrücklich im Blick. Ob sie kommt, entscheidet das Wetter der nächsten Wochen.
Warum ausgerechnet das Stilfserjoch das Ende markiert
Das Stilfserjoch ist kein Skigebiet wie die anderen. Es ist ein reines Sommerskigebiet ohne Winterbetrieb, weil die Passstrasse im Winter gesperrt ist. Von Ende Mai bis Anfang November ist dort Saison, und dann ist Schluss.
Für Zermatt oder Saas-Fee ist eine Sommerpause ärgerlich, aber verkraftbar: Der Winter kommt trotzdem. Für das Stilfserjoch ist der Sommer die ganze Saison. Wenn dort der Betrieb steht, steht alles.
Deshalb war es in diesem Sommer auch das letzte Gebiet, das noch fuhr. Ein Betrieb, der nichts anderes hat, hält länger durch.
Die Chronik dieses Sommers
Sechs Gebiete, sechs Daten, elf Wochen.
Das Bemerkenswerte ist nicht, dass Gebiete im August schliessen. Das kommt vor. Bemerkenswert ist, dass alle schliessen, und dass es fast überall dieselbe Begründung ist.
War 2022 nicht auch schon alles zu?
Das ist der erste Einwand, und er ist berechtigt. Der Sommer 2022 war für die Alpengletscher der schlimmste seit Beginn der Messungen, und die Liste der Ausfälle liest sich fast wie die von heute:
- Les 2 Alpes schloss am 10. Juli.
- Val d’Isère öffnete den Gletscher gar nicht erst.
- Tignes hörte am 25. Juli auf, einen Monat früher als geplant.
- Auch das Stilfserjoch stand zwei Monate mitten im Hochsommer still, und Zermatt unterbrach den Betrieb rund 50 Tage.
Und trotzdem war 2022 nicht dasselbe. Es gab einen Betrieb, der durchlief: den Hintertuxer Gletscher. 2022 war dort das letzte Jahr mit vollem Ganzjahresbetrieb, 365 Tage, ohne eine einzige Pause. Wer im August 2022 unbedingt Ski fahren wollte, konnte das im Zillertal tun.
Genau dieser Rückhalt ist weg. Hintertux hat den Ganzjahresbetrieb über vier Sommer aufgegeben: 2023 einzelne Schliesstage, 2024 sechs Wochen ab Mitte August, 2025 zwei Monate, und am 26. Juli 2026 endete der Betrieb, ohne wieder aufgenommen zu werden. Die ganze Geschichte steht in Hintertux gibt den Ganzjahresbetrieb auf.
Der Unterschied zwischen 2022 und heute ist also nicht die Hitze. Es ist, dass die letzte Ausweichmöglichkeit verschwunden ist. 2022 fiel fast alles aus und ein Gebiet hielt. 2026 fällt alles aus.
Wie die zwei Jahre bei den Gletscherzahlen zueinander stehen, haben wir separat verglichen: Ist 2026 schlimmer als 2022? Kurz gesagt, beim Eis nicht, beim Skibetrieb schon.
Es ist nicht der Schnee, es ist die Nacht
Wer die vier Mitteilungen dieses Sommers nebeneinanderlegt, findet ein Muster.
Zermatt stoppte am 31. Juli, weil Schmelzwasser die Stabilität der Bahnmasten auf dem Plateau Rosa gefährdete. Saas-Fee folgte am 10. August, weil Pisten und Gletscherinfrastruktur die Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllten. Das Stilfserjoch nennt jetzt die fehlende nächtliche Abkühlung.
In keiner der Meldungen steht, es liege zu wenig Schnee.
Der entscheidende Vorgang ist ein anderer: Ein Gletscher, auf dem im Sommer Ski gefahren wird, braucht die Nacht. Er muss zufrieren, damit die Oberfläche am Morgen trägt und damit das Schmelzwasser nicht Tag und Nacht durch das Eis läuft. Wenn die Nullgradgrenze wochenlang bei 5000 Metern liegt, fällt genau das aus. Der Gletscher friert nicht mehr durch, die Piste wird am Vormittag zu Sulz, und im Untergrund arbeitet Wasser dort, wo Masten verankert sind.
Das ist derselbe Mechanismus, der diesen Sommer den Mont Blanc, das Matterhorn und den Oeschinensee in die Schlagzeilen gebracht hat. Wir haben ihn separat erklärt: Warum die Berge bröckeln.
Was das für die Schweiz bedeutet
Für Schweizer Skifahrer ändert sich unmittelbar wenig, denn hierzulande war der Sommerskilauf schon seit dem 10. August vorbei. Die Bedeutung ist eine andere.
Der Sommerskilauf in den Alpen ist über fünfzig Jahre lang geschrumpft. In den 1970er-Jahren liefen im Juli auf Dutzenden Gletschern die Lifte. Übrig geblieben sind zuletzt eine Handvoll, und in diesem Sommer keiner. Wer wissen will, welche Gebiete es einmal gab und wann sie aufgehört haben, findet die Aufstellung in unserer Chronik der eingestellten Sommerskigebiete.
Praktisch trifft es zuerst nicht die Feriengäste, sondern die Rennteams. Sommertraining auf Schnee findet in den Alpen statt oder gar nicht; die Alternative heisst Südhalbkugel und kostet ein Vielfaches. Als Zermatt Ende Juli dichtmachte, wichen die Teams nach Saas-Fee aus, wo die Kapazität schon knapp war. Jetzt gibt es kein Ausweichziel mehr.
Was jetzt offen ist
Drei Dinge wissen wir nicht, und wir schreiben sie lieber hin, als sie zu überspielen.
Ob es dieses Jahr wieder aufgeht. «Bis auf Weiteres» heisst genau das. Am Stilfserjoch läuft die Saison regulär bis Anfang November, es bleiben also mehr als zwei Monate. Kühlt es ab und friert der Gletscher nachts wieder durch, kann der Betrieb zurückkommen.
Ob 2026 die Ausnahme oder der Anfang ist. Ein Sommer ist kein Trend. Aber es ist der Sommer, in dem Hintertux den Ganzjahresbetrieb aufgegeben hat, und diese Entscheidung fiel nicht wegen einer Hitzewelle, sondern nach vier Sommern mit immer längeren Pausen.
Wie es die anderen halten. Zermatt beurteilt die Lage täglich neu. Saas-Fee hat für diesen Sommer abgeschlossen. Ob eines der Gebiete im September noch einmal aufmacht, hängt am Wetter und daran, ob sich der Aufwand für ein paar Wochen lohnt.
Quellen
- S.I.F.A.S. S.p.A. (Società Impianti Funiviari Alto Stelvio), Mitteilung «Vorübergehende Einstellung des Skibetriebs auf dem Stilfser Gletscher (Gentili)», veröffentlicht am 14. August 2026 auf der eigenen Website. Die Zitate stammen aus dieser Mitteilung.
- Zermatt Bergbahnen, Einstellung des Sommerbetriebs am 31. Juli 2026.
- Saastal Bergbahnen, Einstellung ab 10. August 2026, letzter Betriebstag 9. August.
- Zillertaler Gletscherbahnen, Ende des Ganzjahresbetriebs am Hintertuxer Gletscher am 26. Juli 2026.
- Les 2 Alpes: publizierte Sommersaison 31. Mai bis 5. Juli 2026, nur vormittags. Tignes: Grande Motte, 20. Juni bis 19. Juli 2026.
- Zum Sommer 2022: Les 2 Alpes schloss am 10. Juli, Tignes am 25. Juli nach vorzeitigem Abbruch, Val d’Isère öffnete den Gletscher nicht, Zermatt stellte Ende Juli ein und blieb bis Mitte September geschlossen, das Stilfserjoch schloss zeitweise. Hintertux fuhr in diesem Sommer ohne Pause durch; die Aufstellung der Pausen 2023 bis 2026 steht in unserem Beitrag zum Ende des Ganzjahresbetriebs.
Stand 14. August 2026. Die Aussage, dass kein Gebiet mehr fährt, bezieht sich auf die Alpen und auf die Gebiete, die wir führen. Sollte irgendwo doch noch eine Anlage laufen, korrigieren wir das hier, statt es stehen zu lassen.