Für normales Skimaterial haben wir die Frage schon einmal durchgerechnet: Ausrüstung mieten oder kaufen. Bei Tourenausrüstung sieht dieselbe Rechnung anders aus, und zwar aus drei Gründen, die alle in dieselbe Richtung zeigen.
Die nackte Rechnung
Rund 25 Tage. Das ist die Zahl, und sie ist ungefähr so nützlich wie die Angabe, dass ein Auto ab 200’000 Kilometern günstiger ist als Taxifahren. Richtig, aber nicht die Entscheidung.
Warum die Zahl in die Irre führt
Erstens: Kaum jemand macht 25 Tourentage. Eine Skisaison in der Schweiz hat für die meisten Leute fünf bis sieben Skitage insgesamt. Wer neu einsteigt, kommt im ersten Winter vielleicht auf drei bis sechs Tourentage. Der Break-even liegt damit nicht in Tagen, sondern in vier bis fünf Saisons.
Zweitens: Die Ausrüstung altert dazwischen. Felle verlieren Klebkraft, Tourenbindungen sind Verschleissteile, und die Schuhtechnik hat sich in den letzten zehn Jahren stärker verändert als bei Alpinschuhen. Nach fünf Saisons ist ein Teil des Materials nicht mehr das, was man heute kaufen würde.
Drittens, und das ist der eigentliche Grund: Beim Einstieg weiss man noch nicht, welche Ausrüstung man braucht. Ein leichter Aufstiegsski und ein abfahrtsorientierter Freerideski sind verschiedene Geräte. Wer zuerst kauft und dann herausfindet, was er eigentlich macht, kauft zweimal.
Die Ausnahme, und sie ist wichtig
Ein Teil der Ausrüstung gehört nicht in diese Rechnung, und das ist ausgerechnet das billigste: das Notfallset aus Verschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel.
Es kostet ab 579 Franken im Set, also weniger als die Hälfte der Tourenausrüstung, und es gibt drei Gründe, es trotzdem zuerst zu kaufen:
Man muss es kennen. Ein LVS-Gerät bedient man unter Zeitdruck und in Panik. Jedes Modell hat eine andere Menüführung, andere Signale und ein anderes Verhalten bei mehreren Verschütteten. Ein Mietgerät, das man zum ersten Mal am Parkplatz auspackt, ist im Ernstfall langsamer, und Zeit ist in der Überlebenskurve die einzige Grösse, die zählt.
Man kann damit üben. In über zwanzig Schweizer Gebieten steht eine Übungsanlage, Benutzung meist gratis mit Skipass. Das setzt voraus, dass man ein Gerät hat.
Es hält am längsten. Ein LVS-Gerät ist nach acht bis zehn Jahren zu ersetzen, Sonde und Schaufel praktisch nie. Über die Lebensdauer gerechnet ist es das mit Abstand günstigste Stück.
Was das Set im Einzelnen leistet, steht in unserer Aufstellung zur Lawinenausrüstung.
Der Airbag ist ein Sonderfall
Ein Lawinenairbag kostet zwischen 560 Franken (Kartuschensystem) und rund 1030 (elektronisch) und lässt sich mancherorts mieten.
Beim Mieten gibt es allerdings einen Haken, der selten genannt wird: Die grösste Fehlerquelle beim Airbag ist, dass niemand am Griff zieht. In der massgeblichen Untersuchung gingen zwanzig Prozent der Airbags nicht auf, und rund sechzig Prozent davon, weil die Auslösung ausblieb. Ein Gerät, dessen Griff man zum ersten Mal am Unfalltag sieht, verschärft genau dieses Problem. Die Zahlen dazu stehen in unserer Auswertung zur Airbag-Wirksamkeit.
Wer einen Airbag mietet, sollte deshalb mindestens den Auslösevorgang trocken durchgehen, bevor er losfährt. Bei elektronischen Systemen kostet ein echter Übungszug nichts, bei Kartuschensystemen jedes Mal eine Füllung.
Was wir empfehlen würden
Nach Saisons geordnet, weil die Frage in Wahrheit eine zeitliche ist.
Erste Saison. Alles mieten, ausser dem Notfallset. Das kaufen. Kosten: rund 580 Franken einmalig plus 40 bis 70 pro Tourentag.
Zweite Saison. Wenn es dabeibleibt und sich abzeichnet, in welche Richtung es geht, die Schuhe kaufen. Sie sind das Teil, bei dem Passform am meisten ausmacht und Mieten am wenigsten taugt.
Dritte Saison. Ski, Bindung und Felle, jetzt passend zu dem, was man tatsächlich macht.
Irgendwann. Der Airbag, wenn überhaupt. Er ist das teuerste Stück mit dem am schwersten fassbaren Nutzen, und er ist der einzige Teil der Ausrüstung, den man weglassen kann, ohne dass die anderen ihre Wirkung verlieren.
Diese Reihenfolge kostet über drei Winter ungefähr gleich viel wie der Sofortkauf und hat einen Vorteil, den keine Rechnung abbildet: Am Ende hat man die Ausrüstung, die zu dem passt, was man macht, und nicht die, von der man im ersten Winter dachte, man würde sie brauchen.
Quellen und Vorbehalte
- Preise: Schweizer Fachhandel und Verleih, Stand August 2026. Miete Tourenausrüstung 40 bis 70 Franken pro Tag, mit deutlichen Rabatten ab mehreren Tagen. Kauf einer kompletten Einsteigerausrüstung ab rund 1400 Franken. Notfallset ab 579 Franken. Airbag ab 559 Franken (Kartusche) beziehungsweise rund 1029 Franken (elektronisch).
- Break-even ist unsere eigene Rechnung, ohne Wiederverkaufswert, ohne Unterhalt, ohne Verschleissteile wie Felle. Alle drei verschieben den Punkt nach hinten, also zugunsten des Mietens.
- Airbag-Versagensquote 20 Prozent, davon rund 60 Prozent nicht erfolgte Auslösung, nach Haegeli et al. (2014).
- Die Angaben zur Lebensdauer von LVS-Geräten folgen den üblichen Herstellerempfehlungen und sind keine verbindliche Frist.
Dieser Beitrag rechnet Kosten. Der Umgang mit der Ausrüstung wird geübt, nicht gelesen; Kurse gibt es bei SLF und SAC.