Ein Verschüttetensuchgerät kostet zwischen 245 und 449 Franken. Es zu benutzen, kostet nichts, und genau das ist der Teil, den die meisten auslassen.

Der Grund ist banal: Man weiss nicht, wo. Ein LVS-Gerät im Garten zu testen bringt wenig, denn das Signal verhält sich unter einem Meter Schnee anders als unter einer Hecke, und der eigentliche Zeitfresser ist ohnehin nicht das Finden, sondern das Sondieren und Graben.

Dafür gibt es feste Anlagen, und in der Schweiz sind es erstaunlich viele.

Was so eine Anlage ist

Ein Avalanche Training Center, meist als ATC abgekürzt, ist ein abgestecktes Feld von typischerweise hundert mal hundert Metern. Darunter liegen mehrere Sender fest vergraben. An einer Steuersäule am Rand wählt man, wie viele davon aktiv sein sollen, und startet die Zeit.

Damit lässt sich das üben, was im Ernstfall zählt und was zu Hause nicht geht:

  • die Mehrfachverschüttung, also mehrere Signale gleichzeitig, an denen sich Einsteigergeräte und geübte Hände am deutlichsten unterscheiden
  • die Feinsuche in den letzten Metern, wo das Signal unübersichtlich wird
  • das Sondieren bis zum Treffer, in echtem Schnee und mit echter Tiefe
  • die Zeit, und das ist der unangenehme Teil: Die meisten Leute brauchen beim ersten Versuch ein Vielfaches dessen, was sie erwartet hätten

Die Anlagen in Schweizer Gebieten

Der grösste Betreiber unterhält ein Netz von über siebzig Anlagen im Alpenraum. In der Schweiz sind es nach unserer Zählung dieser Liste 27 Standorte, dazu Malbun in Liechtenstein. Der Betreiber selbst spricht von rund 25; die Differenz kommt daher, dass einige Einträge Gebiete zusammenfassen.

Diese Standorte lassen sich einem Gebiet in unserem Datensatz zuordnen:

StandortRegion
Adelboden-Lenk, TschentenalpBerner Oberland
AiroloTessin
Andermatt-SedrunUri und Graubünden
Aletsch Arena, BettmeralpWallis
BelalpWallis
BivioGraubünden
BraunwaldGlarus
Champéry, Les CrosetsWallis
Crans-MontanaWallis
DisentisGraubünden
FlumserbergSt. Gallen
LAAX, Freeride BaseGraubünden
LeysinWaadt
Villars-Gryon-DiableretsWaadt
Meiringen-HaslibergBerner Oberland
Minschuns, Val MüstairGraubünden
MolésonFreiburg
Mürren-SchilthornBerner Oberland
PizolSt. Gallen
Chäserrugg / Toggenburg, SellamattSt. Gallen
VerbierWallis
Grimentz-ZinalWallis

Dazu kommen sechs Standorte, die kein Skigebiet aus unserem Datensatz sind, sondern kleinere Orte und Tourengebiete: Avers/Juf, Fideriser Heuberge, St. Antönien, Val Bedretto, Wasenalp und Les Crosets als eigener Eintrag.

St. Antönien ist dabei ein Sonderfall, den man kennen sollte: Der Ort ist kein Skigebiet, sondern eines der bekanntesten Tourengebiete der Ostschweiz. Die Anlage ist frei benutzbar, um Voranmeldung wird gebeten, und im Sportgeschäft im Dorf lassen sich Gerät, Sonde und Schaufel mieten. Für jemanden ohne eigene Ausrüstung ist das der günstigste Einstieg überhaupt.

Zwei Anlagen ausserhalb dieses Netzes

Nicht jede Übungsanlage gehört zu diesem Verbund. Zwei bekannte werden separat betrieben:

Davos, Jakobshorn. Betrieben von der SAC-Sektion Davos, ein Feld von hundert mal hundert Metern beim Chalet Güggel, das einen realistischen Lawinenkegel nachbildet. Benutzung gratis mit gültigem Skipass. Gehört zu Davos Klosters.

Titlis, Laubersgrat. Unterhalb der Talstation Laubersgrat, im Winter aufgebaut. Gehört zu Engelberg-Titlis, das mit 1978 Höhenmetern eines der grössten Freeride-Gebiete der Schweiz ist.

Wer also eine Anlage in seinem Gebiet sucht und in der Liste oben nicht fündig wird, sollte trotzdem beim Gebiet selbst nachfragen. Ein zentrales Verzeichnis über alle Betreiber hinweg gibt es nicht, und das ist der Grund, warum diese Liste überhaupt nötig war.

Was das Üben bringt, und was nicht

Die ehrliche Einordnung zum Schluss, weil hier leicht ein falscher Eindruck entsteht.

Es bringt Zeit, und Zeit ist in der Lawinenrettung die Grösse, an der alles hängt. Die Überlebenswahrscheinlichkeit einer ganz verschütteten Person liegt bis etwa achtzehn Minuten bei rund neunzig Prozent und fällt danach steil ab; die Kurve dazu steht in unserem Beitrag zu den ersten 15 Minuten. Jede Minute, die man beim Suchen spart, wird an der steilsten Stelle dieser Kurve eingespart.

Es ist keine Ausbildung. Eine Übungsanlage trainiert einen Handgriff unter freundlichen Bedingungen: bekanntes Feld, abgesteckt, kein Zeitdruck, niemand verletzt, keine Zweitlawine. Der Ernstfall ist all das nicht. Wer glaubt, mit drei Durchgängen am Trainingsfeld eine Kameradenrettung zu beherrschen, hat den schwierigen Teil noch nicht gesehen.

Der richtige Weg ist beides: ein Kurs bei SLF oder SAC für das Verfahren, und danach die Anlage, um es nicht wieder zu vergessen. Was die Ausrüstung dazu kostet, steht in unserer Aufstellung.

Quellen und Vorbehalte

  • Avalanche Training Center, Standortverzeichnis des Betreibers, abgerufen im August 2026. Angegeben sind über siebzig Standorte im Alpenraum sowie in Schwarzwald, Abruzzen, Schweden und Australien. Für die Schweiz nennt der Betreiber rund 25 Standorte; wir zählen in der veröffentlichten Liste 27 Schweizer Einträge plus Malbun in Liechtenstein. Wir geben beide Zahlen an, statt uns für eine zu entscheiden.
  • SAC, Übersicht zu Avalanche Training Centers, sowie SAC-Sektion Davos für die Anlage am Jakobshorn.
  • Titlis Bergbahnen für die Anlage am Laubersgrat.
  • Zuordnung der Standorte zu unseren Gebietsseiten von Hand, nicht automatisch. Ein Abgleich nach Namensähnlichkeit ordnet «Avers» dem Val-de-Travers zu, was uns beim ersten Durchgang tatsächlich passiert ist.
  • Betrieb, Öffnungszeiten und Kosten können sich ändern und werden vom jeweiligen Gebiet festgelegt. Massgeblich ist die Auskunft vor Ort, nicht diese Liste.

Dieser Beitrag sagt, wo geübt werden kann. Er ist keine Ausbildung. Das Verfahren der Kameradenrettung lernt man im Kurs bei SLF und SAC.