Wer zum ersten Mal Skitouren oder Freeride kaufen geht, steht vor einer Wand aus Geräten und einer Preisspanne von vierhundert bis über zweitausend Franken. Die Frage, die dabei selten klar beantwortet wird, ist nicht «welches Modell», sondern: Was macht jedes dieser Teile eigentlich, und in welcher Reihenfolge?
Wir haben die Schweizer Preise zusammengetragen und daneben geschrieben, welche Aufgabe das jeweilige Stück in der Unfallkette übernimmt.
Die Preise
Richtwerte aus dem Schweizer Fachhandel für den Winter 2025/26.
Was jedes Teil tut
Die drei Grundstücke werden meist in einem Atemzug genannt, als wären sie ein Gerät. Sie haben aber getrennte Aufgaben, und sie kommen nacheinander zum Einsatz.
| Gerät | Aufgabe | Wann es wirkt |
|---|---|---|
| LVS-Gerät | ein Signal senden und suchen | grob, bis auf wenige Meter |
| Sonde | den Punkt und die Tiefe finden | fein, auf zentimetergenau |
| Schaufel | den Schnee wegbringen | danach, und das ist der lange Teil |
| Airbag | Ganzverschüttung verhindern | vorher, im Abgang selbst |
Das LVS-Gerät sendet, solange es eingeschaltet ist, und sucht, sobald man umschaltet. Es bringt einen bis auf wenige Meter an die verschüttete Person heran, nicht näher. Drei Antennen sind heute Standard, und das ist kein Marketingdetail: Ältere Geräte mit einer oder zwei Antennen suchen bei mehreren Verschütteten und in ungünstiger Lage deutlich schlechter. Wer ein gebrauchtes Gerät geschenkt bekommt, sollte vor allem darauf schauen.
Die Sonde ist das billigste Teil und dasjenige, das am häufigsten fehlt. Ohne sie gräbt man an der falschen Stelle und, was schwerer wiegt, in der falschen Tiefe. Sie klärt beides in Sekunden.
Die Schaufel ist das unterschätzteste Stück in diesem Set. Der Grund steht in der Arithmetik: Bei einem Meter Verschüttungstiefe muss ungefähr eine Tonne Lawinenschnee bewegt werden, und Lawinenschnee ist nicht Pulver, sondern verdichtet und hart. Deshalb Aluminium und nicht Kunststoff. Eine Plastikschaufel bricht in hartem Lawinenschnee, und sie bricht genau dann, wenn es darauf ankommt.
Die zweite Zahl dazu: Die Schaufelzeit steigt nicht linear mit der Tiefe, sondern schneller. Bei zwei Metern ist es nicht die doppelte, sondern etwa die vierfache Menge.
Die Reihenfolge, die den Preis erklärt
Aus der Aufgabenteilung folgt eine Rangfolge, die dem Preisschild widerspricht.
Zuerst die drei Grundstücke, vollständig. Ein LVS-Gerät ohne Schaufel ist ein Gerät, mit dem man jemanden findet und dann danebensteht. Die Kombination ist der Punkt, nicht das einzelne Teil. Deshalb sind Sets sinnvoll, und deshalb ist es sinnlos, beim Gerät 200 Franken mehr auszugeben und die Sonde wegzulassen.
Dann das Üben. Ein neues Gerät, das nie benutzt wurde, sucht langsamer als ein altes Gerät in geübten Händen. Wo man das kostenlos üben kann, steht in unserer Übersicht der Lawinen-Trainingsparks: Über zwanzig Schweizer Gebiete haben eine Anlage, meist gratis mit gültigem Skipass.
Zuletzt der Airbag. Er ist das teuerste Stück und dasjenige, das eine ganz andere Aufgabe hat: Er soll die Ganzverschüttung verhindern, nicht sie beheben. Die Studienlage dazu ist gut untersucht und weniger eindeutig, als die Werbung nahelegt; wir haben sie separat durchgerechnet.
Was noch dazugehört und selten genannt wird
Ein Erste-Hilfe-Set und eine Rettungsdecke. Wer ausgegraben wird, ist unterkühlt und oft verletzt. Die Zeit bis zum Eintreffen der organisierten Rettung muss überbrückt werden, und das ist meist der längere Teil des Einsatzes.
Ein geladenes Telefon und die Notrufnummern. In der Schweiz ist das die 1414 der Rega, in Europa die 112. Ein Telefon in der Aussentasche bei minus zehn Grad ist nach zwei Stunden leer.
Batterien, keine Akkus. Die meisten LVS-Hersteller schreiben Alkali-Batterien vor. Wiederaufladbare Zellen halten die Spannung anders und können die Restanzeige des Geräts unbrauchbar machen, was schlimmer ist als eine schwache Batterie: Man verlässt sich auf eine Zahl, die nicht stimmt.
Was die Ausrüstung nicht kann
Der Vollständigkeit halber, und weil es der wichtigste Absatz dieses Beitrags ist.
Die gesamte Ausrüstung wirkt nach der Auslösung. Sie ändert nichts an der Wahrscheinlichkeit, dass ein Hang bricht. Wer mit vollständigem Set in einen Hang fährt, den er ohne Set gemieden hätte, hat sein Risiko erhöht und nicht gesenkt.
Und sie funktioniert nur in der Gruppe. Ein Verschüttetensuchgerät sendet ein Signal, das jemand empfangen muss. Alleine im freien Gelände ist es ein Gerät, das nach dem Unfall dabei hilft, den Körper zu finden. Das steht so in keiner Produktbeschreibung und ist trotzdem die Voraussetzung, unter der die ganze Rechnung steht.
Warum die Zeit dabei über alles entscheidet, steht in unserem Beitrag zu den ersten 15 Minuten.
Quellen und Vorbehalte
- Preise: Bächli Bergsport und weitere Schweizer Fachhändler, Stand August 2026. LVS-Geräte: Ortovox Diract Pro CHF 245, Ortovox Diract Voice CHF 265, Mammut Barryvox 2 CHF 359, Mammut Barryvox S2 und Pieps IPS je CHF 449. Komplettset ab CHF 579. Airbags: Kartuschensystem ab CHF 559, elektronisches System rund CHF 1029. Richtwerte, die mit Modelljahr und Rabatt erheblich schwanken.
- Zusammensetzung der Notfallausrüstung nach der übereinstimmenden Empfehlung von SAC und Fachhandel: Verschüttetensuchgerät, Sonde, Schaufel, Erste-Hilfe-Material.
- Die Tonne Schnee bei einem Meter Verschüttungstiefe ist eine Überschlagsrechnung mit einer für Lawinenschnee üblichen Dichte und einer Grabfläche von wenigen Quadratmetern. Sie soll die Grössenordnung zeigen, nicht einen Einzelfall beschreiben.
- Zur Wirksamkeit des Airbags siehe die eigene Auswertung; die zugrunde liegende Studie ist von 2014.
Dieser Beitrag beschreibt, was die Geräte leisten, und ist keine Ausbildung. Der Umgang damit wird geübt, nicht gelesen. Kurse gibt es bei SLF und SAC.