Der europäische Sommer 2026 hat den Skibetrieb in den Alpen zum ersten Mal seit Jahren im Hochsommer weitgehend zum Erliegen gebracht. Weil dabei viele Zahlen durcheinandergehen, hier eine geordnete Bestandsaufnahme – inklusive einer Korrektur, die uns selbst überrascht hat.
Die Hitzewelle kam früher als gedacht
Der Kern des Ereignisses lag nicht Ende Juli, sondern im Juni. Ab dem 17. beziehungsweise 18. Juni 2026 legte sich eine stabile Hochdrucklage in einer sogenannten Omega-Formation über Westeuropa und blieb dort. In Frankreich dauerte die Welle bis zum 2. Juli, also 16 Tage am Stück. An einem einzigen Mittwoch lagen die Tageswerte für rund 94 Millionen Menschen in Europa über 35 Grad, überwiegend in Spanien und Frankreich.
Innerhalb eines Wochenendes fielen absolute nationale Rekorde in mindestens sieben Ländern: Tschechien, Deutschland, Luxemburg, der Slowakei, Polen, Ungarn und Dänemark.
Die Korrektur: Schweiz und Österreich waren nicht dabei
Hier lohnt der genaue Blick, weil beide Länder in Zusammenfassungen oft mitgenannt werden. Die Grafik zeigt, warum das ein Unterschied ist:
Bemerkenswert daran: Der Schweizer Allzeitrekord von 41,5 °C stammt aus dem Jahr 2003 und liegt damit immer noch über dem, was Deutschland 2026 neu aufgestellt hat. Der österreichische Rekord von 40,5 °C wurde knapp verfehlt und hielt ebenfalls.
Dass die Alpengletscher trotzdem so gelitten haben, hat also nicht mit einem neuen Spitzenwert im Flachland zu tun. Entscheidend war etwas anderes: die Dauer der Wärme und die fehlende Nachtabkühlung in der Höhe. Für einen Gletscher ist eine Woche ohne Frost in 3000 Metern schädlicher als ein einzelner 41-Grad-Tag im Mittelland. Genau das hat Zermatt Ende Juli zum Stopp des Sommerskibetriebs gezwungen, und genau deshalb fiel der Gletscherschwundtag schon auf den 29. Juni.
Die Waldbrände in Frankreich
Die schwersten Brände der französischen Saison lagen im Südwesten, in der Gironde und in den Landes rund um das Bassin d’Arcachon. Die Zahlen:
- rund 42 000 Hektar verbrannte Fläche
- zeitweise etwa 224 000 Menschen evakuiert
- Stand 31. Juli konnten rund 160 000 davon zurückkehren
Die Lage bei Bordeaux hat sich stabilisiert, die Autobahn A63 war am 1. August wieder offen. Zwei aktive Brandzonen blieben auf der Halbinsel Cap Ferret und südlich von Lacanau, dazu kamen neue Feuer bei Brignoles im Var, bei Fontainebleau, im Raum Dijon und zwischen Marseille und Aix.
Anders als teilweise berichtet ist der Grossbrand also nicht ausser Kontrolle, aber auch nicht gelöscht: Einsatzkräfte rechnen damit, dass es Wochen bis Monate dauert, bis alle Glutnester aus sind. Der europäische Katastrophenschutz warnt vor erhöhter Waldbrandgefahr mindestens bis Ende August.
Was man daraus lesen darf und was nicht
Ein einzelner heisser Sommer ist noch kein Klimatrend, und ein Rekordwinter in den Anden widerlegt die Erwärmung nicht. Beides sind Wetterereignisse. Aussagekräftig wird es erst, wenn man zählt, wie sich die Häufigkeit solcher Ereignisse über Jahrzehnte verschiebt. Warum dieser Unterschied kein Wortklauberei ist, steht in Wetter oder Klima.
Für die Gletscher gilt allerdings eine Besonderheit: Sie sind ein Speicher, kein Momentwert. Ein einzelner heisser Sommer verschwindet nicht wieder, sondern bleibt als fehlende Masse im System. Deshalb ist die Reihe der Sommer 2003, 2015, 2018, 2022 und jetzt 2026 aussagekräftiger als jeder einzelne davon.
Quellen: MeteoSchweiz und nationale Wetterdienste (Rekordwerte), Wikipedia-Übersicht «Hitzewellen in Europa 2026», NZZ und ZDF zur Juni-Hitzewelle, ADAC-Lagebericht Waldbrände Südfrankreich (Stand 31. Juli 2026), Météo France. Angaben zu Bränden und Evakuierungen sind Momentaufnahmen und ändern sich laufend.