Dieser September war warm, und zwar aussergewöhnlich. Gemittelt über zehn Schweizer Skigebiete und gerechnet auf 2000 Metern kommt er auf 9,89 Grad. Das ist der höchste Wert seit 1991, knapp vor 2023 mit 9,80 und 1991 selbst mit 9,77 Grad.

Die Frage, die daran hängt und die gerade viele stellen: Heisst das etwas für den Winter?

Wir haben nachgerechnet. 35 Winter, zehn Gebiete, dieselbe Höhe. Für jedes Jahr die Mitteltemperatur im September und die Neuschneesumme vom 1. Dezember bis zum 31. März danach.

Die Antwort in drei Balken

Nach den zehn wärmsten September 1991, 1997, 1999, 2006, 2009, 2011, 2016, 2018, 2021, 2023
316 cm
Alle 35 Winter im Mittel Vergleichswert
302 cm
Nach den zehn kältesten September 1993, 1995, 1996, 2001, 2002, 2007, 2010, 2017, 2022, 2024
267 cm
Neuschneesumme vom 1. Dezember bis 31. März, gemittelt über zehn Schweizer Skigebiete und gerechnet auf 2000 Metern. Die Gruppen sind nach der Septembertemperatur des Jahres davor gebildet. Nach warmen September fiel im Mittel mehr Schnee, nicht weniger, und der Unterschied von 49 Zentimetern ist kleiner als der Abstand zwischen zwei beliebigen Wintern. Eigene Auswertung der Modelldaten von Open-Meteo (ERA5-Reanalyse), abgerufen am 27. September 2026. Höhe fest auf 2000 Meter vorgegeben.

Das ist die Antwort, und sie ist unbequem für beide Lager. Nach den zehn wärmsten September fiel mehr Schnee als nach den zehn kältesten, 316 gegen 267 Zentimeter. Wer aus einem warmen Herbst auf einen schneearmen Winter schliesst, liegt nach diesen Zahlen nicht nur daneben, sondern auf der falschen Seite.

Man sollte daraus aber auch nicht das Gegenteil machen. Der Zusammenhang ist schwach: Die Korrelation liegt bei 0,20, das Bestimmtheitsmass bei 0,04. Vier Prozent der Unterschiede zwischen den Wintern lassen sich mit der Septembertemperatur erklären, sechsundneunzig Prozent nicht. Bei 35 Wintern ist ein Wert von 0,20 ausserdem nicht sauber von Zufall zu unterscheiden.

Wie die Winter wirklich aussehen

Mittel 302 cm
91
92
93
94
95
96
97
98
99
00
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
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13
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15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
Zahlen als Tabelle anzeigen
Eintrag Wert
91 345 cm
92 194 cm
93 358 cm
94 436 cm
95 213 cm
96 216 cm
97 259 cm
98 420 cm
99 361 cm
00 358 cm
01 239 cm
02 218 cm
03 318 cm
04 226 cm
05 292 cm
06 306 cm
07 300 cm
08 362 cm
09 249 cm
10 190 cm
11 383 cm
12 325 cm
13 330 cm
14 302 cm
15 300 cm
16 232 cm
17 472 cm
18 346 cm
19 302 cm
20 351 cm
21 252 cm
22 229 cm
23 423 cm
24 234 cm
25 246 cm
Neuschnee vom 1. Dezember bis 31. März, gemittelt über zehn Schweizer Skigebiete auf 2000 Metern. Beschriftet ist das Jahr, in dem der Winter begann, also «17» für den Winter 2017/18. Die gestrichelte Linie ist das Mittel über alle 35 Winter. Die Reihe lässt sich seitlich schieben, alle Werte stehen auch in der Tabelle darunter. Wer hier ein Muster sucht, das mit dem Herbst davor zu tun hat, findet keines: Der schneereichste Winter folgte auf einen der kältesten September, der schneeärmste ebenfalls auf einen kühlen. Eigene Auswertung der Modelldaten von Open-Meteo (ERA5-Reanalyse), abgerufen am 27. September 2026.

Zwei Winter aus dieser Reihe verdienen einen zweiten Blick, weil sie die Vermutung gemeinsam erledigen.

Der schneereichste Winter der Reihe ist 2017/18 mit 472 Zentimetern. Der September davor war mit 4,24 Grad einer der kältesten überhaupt. Wer im Herbst 2017 aus der Kälte auf viel Schnee geschlossen hätte, hätte recht bekommen.

Der schneeärmste Winter ist 2010/11 mit 190 Zentimetern. Der September davor war mit 5,73 Grad ebenfalls kühl, deutlich unter dem Mittel. Dieselbe Ausgangslage, das umgekehrte Ergebnis.

Und die beiden September, die diesem hier am nächsten kommen? 2023 mit 9,80 Grad wurde von 423 Zentimetern gefolgt, dem zweitschneereichsten Winter der Reihe. 1991 mit 9,77 Grad von 345 Zentimetern, ebenfalls über dem Mittel.

Was ein warmer Herbst dagegen sehr wohl tut

Er verschiebt den Anfang. Das ist eine andere Frage als die nach der Schneemenge, und dort ist der Zusammenhang direkt: Solange die Feuchttemperatur nicht unter minus zwei Grad fällt, läuft keine Schneekanone, und ohne Beschneiung öffnet kaum ein Gebiet. Genau das passiert gerade. In den sechzehn Tagen ab heute sind über zehn Schweizer Gebieten 95 von 3840 Stunden kalt genug, also 2,5 Prozent. Die Zahlen dazu stehen in unserer Auswertung zur Beschneiung.

Ein später Start und ein schneearmer Winter sind zwei verschiedene Dinge. Der Winter 2023/24 hat beides gezeigt: einen der wärmsten September der Reihe und danach 423 Zentimeter Schnee.

Was diese Rechnung nicht kann

Sie ist keine Prognose. Sie sagt, wie sich Herbst und Winter in 35 vergangenen Jahren zueinander verhalten haben, und die Antwort lautet: kaum. Daraus folgt für diesen Winter nichts ausser der Aufforderung, es nicht zu wissen. Was sich seriös über den kommenden Winter sagen lässt, haben wir in der Winterprognose zusammengetragen.

Sie rechnet mit Modelldaten, nicht mit Messungen. ERA5 ist eine Reanalyse, also ein Modell, das an Beobachtungen angepasst wird. Für Vergleiche über Jahrzehnte ist das die saubere Grundlage, weil dieselbe Methode über die ganze Reihe gilt. Eine Messstation am Hang würde für ein einzelnes Jahr genauere Werte liefern.

Neuschneesumme ist nicht Schneehöhe. Wie viel von dem Schnee liegen bleibt, hängt an Temperatur, Regen und Wind. Ein Winter mit 300 Zentimetern Neuschnee und vier Warmlufteinbrüchen fährt sich schlechter als einer mit 250 am Stück.

35 Winter sind wenig. Für einen schwachen Zusammenhang, wie er hier vorliegt, ist das eine zu kurze Reihe, um ihn zu bestätigen oder auszuschliessen. Das ist der Grund, warum oben steht «fast nichts» und nicht «nichts».


Weiterlesen: Wie wird der Winter 2026/27? · Zu warm zum Beschneien · Findet der Weltcup in Sölden statt? · Wetter oder Klima?

Quellen und Methode

  • Daten: Open-Meteo, Archiv auf Basis der ERA5-Reanalyse, abgerufen am 27. September 2026. Zehn Gebiete: Zermatt, Verbier, Andermatt, Davos, Arosa Lenzerheide, St. Moritz, Grindelwald, Adelboden, Engelberg, Airolo. Die Höhe ist für alle fest auf 2000 Meter gesetzt, damit die Reihe vergleichbar bleibt.
  • Septemberwert: Für die Rangliste, in der auch 2026 vorkommt, ist der Mittelwert vom 1. bis 26. September gerechnet, weil der Monat noch nicht zu Ende ist. Für die Korrelation mit dem Winter danach ist der volle Monat gerechnet, für die Jahre 1991 bis 2025.
  • Winterwert: Summe des Neuschnees vom 1. Dezember bis zum 31. März, gemittelt über die zehn Gebiete. Zugeordnet ist ein Winter dem September, der ihm vorausging.
  • Statistik: Pearson-Korrelation auf Jahresebene über 35 Wertepaare, r = 0,201, Bestimmtheitsmass r² = 0,040. Auf Ebene der einzelnen Gebiete liegen die Werte zwischen minus 0,10 in Zermatt und plus 0,36 in Arosa Lenzerheide, also ebenfalls durchwegs schwach und uneinheitlich im Vorzeichen.
  • Nachrechnen: Das Abfrageskript liegt im Repository unter scripts/herbst-winter-vergleich.mjs. Ein Aufruf holt die Reihe neu und gibt Tabelle, Korrelation und Rangliste aus.