Dieser September war warm, und zwar aussergewöhnlich. Gemittelt über zehn Schweizer Skigebiete und gerechnet auf 2000 Metern kommt er auf 9,89 Grad. Das ist der höchste Wert seit 1991, knapp vor 2023 mit 9,80 und 1991 selbst mit 9,77 Grad.
Die Frage, die daran hängt und die gerade viele stellen: Heisst das etwas für den Winter?
Wir haben nachgerechnet. 35 Winter, zehn Gebiete, dieselbe Höhe. Für jedes Jahr die Mitteltemperatur im September und die Neuschneesumme vom 1. Dezember bis zum 31. März danach.
Die Antwort in drei Balken
Das ist die Antwort, und sie ist unbequem für beide Lager. Nach den zehn wärmsten September fiel mehr Schnee als nach den zehn kältesten, 316 gegen 267 Zentimeter. Wer aus einem warmen Herbst auf einen schneearmen Winter schliesst, liegt nach diesen Zahlen nicht nur daneben, sondern auf der falschen Seite.
Man sollte daraus aber auch nicht das Gegenteil machen. Der Zusammenhang ist schwach: Die Korrelation liegt bei 0,20, das Bestimmtheitsmass bei 0,04. Vier Prozent der Unterschiede zwischen den Wintern lassen sich mit der Septembertemperatur erklären, sechsundneunzig Prozent nicht. Bei 35 Wintern ist ein Wert von 0,20 ausserdem nicht sauber von Zufall zu unterscheiden.
Wie die Winter wirklich aussehen
Zahlen als Tabelle anzeigen
| Eintrag | Wert |
|---|---|
| 91 | 345 cm |
| 92 | 194 cm |
| 93 | 358 cm |
| 94 | 436 cm |
| 95 | 213 cm |
| 96 | 216 cm |
| 97 | 259 cm |
| 98 | 420 cm |
| 99 | 361 cm |
| 00 | 358 cm |
| 01 | 239 cm |
| 02 | 218 cm |
| 03 | 318 cm |
| 04 | 226 cm |
| 05 | 292 cm |
| 06 | 306 cm |
| 07 | 300 cm |
| 08 | 362 cm |
| 09 | 249 cm |
| 10 | 190 cm |
| 11 | 383 cm |
| 12 | 325 cm |
| 13 | 330 cm |
| 14 | 302 cm |
| 15 | 300 cm |
| 16 | 232 cm |
| 17 | 472 cm |
| 18 | 346 cm |
| 19 | 302 cm |
| 20 | 351 cm |
| 21 | 252 cm |
| 22 | 229 cm |
| 23 | 423 cm |
| 24 | 234 cm |
| 25 | 246 cm |
Zwei Winter aus dieser Reihe verdienen einen zweiten Blick, weil sie die Vermutung gemeinsam erledigen.
Der schneereichste Winter der Reihe ist 2017/18 mit 472 Zentimetern. Der September davor war mit 4,24 Grad einer der kältesten überhaupt. Wer im Herbst 2017 aus der Kälte auf viel Schnee geschlossen hätte, hätte recht bekommen.
Der schneeärmste Winter ist 2010/11 mit 190 Zentimetern. Der September davor war mit 5,73 Grad ebenfalls kühl, deutlich unter dem Mittel. Dieselbe Ausgangslage, das umgekehrte Ergebnis.
Und die beiden September, die diesem hier am nächsten kommen? 2023 mit 9,80 Grad wurde von 423 Zentimetern gefolgt, dem zweitschneereichsten Winter der Reihe. 1991 mit 9,77 Grad von 345 Zentimetern, ebenfalls über dem Mittel.
Was ein warmer Herbst dagegen sehr wohl tut
Er verschiebt den Anfang. Das ist eine andere Frage als die nach der Schneemenge, und dort ist der Zusammenhang direkt: Solange die Feuchttemperatur nicht unter minus zwei Grad fällt, läuft keine Schneekanone, und ohne Beschneiung öffnet kaum ein Gebiet. Genau das passiert gerade. In den sechzehn Tagen ab heute sind über zehn Schweizer Gebieten 95 von 3840 Stunden kalt genug, also 2,5 Prozent. Die Zahlen dazu stehen in unserer Auswertung zur Beschneiung.
Ein später Start und ein schneearmer Winter sind zwei verschiedene Dinge. Der Winter 2023/24 hat beides gezeigt: einen der wärmsten September der Reihe und danach 423 Zentimeter Schnee.
Was diese Rechnung nicht kann
Sie ist keine Prognose. Sie sagt, wie sich Herbst und Winter in 35 vergangenen Jahren zueinander verhalten haben, und die Antwort lautet: kaum. Daraus folgt für diesen Winter nichts ausser der Aufforderung, es nicht zu wissen. Was sich seriös über den kommenden Winter sagen lässt, haben wir in der Winterprognose zusammengetragen.
Sie rechnet mit Modelldaten, nicht mit Messungen. ERA5 ist eine Reanalyse, also ein Modell, das an Beobachtungen angepasst wird. Für Vergleiche über Jahrzehnte ist das die saubere Grundlage, weil dieselbe Methode über die ganze Reihe gilt. Eine Messstation am Hang würde für ein einzelnes Jahr genauere Werte liefern.
Neuschneesumme ist nicht Schneehöhe. Wie viel von dem Schnee liegen bleibt, hängt an Temperatur, Regen und Wind. Ein Winter mit 300 Zentimetern Neuschnee und vier Warmlufteinbrüchen fährt sich schlechter als einer mit 250 am Stück.
35 Winter sind wenig. Für einen schwachen Zusammenhang, wie er hier vorliegt, ist das eine zu kurze Reihe, um ihn zu bestätigen oder auszuschliessen. Das ist der Grund, warum oben steht «fast nichts» und nicht «nichts».
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Quellen und Methode
- Daten: Open-Meteo, Archiv auf Basis der ERA5-Reanalyse, abgerufen am 27. September 2026. Zehn Gebiete: Zermatt, Verbier, Andermatt, Davos, Arosa Lenzerheide, St. Moritz, Grindelwald, Adelboden, Engelberg, Airolo. Die Höhe ist für alle fest auf 2000 Meter gesetzt, damit die Reihe vergleichbar bleibt.
- Septemberwert: Für die Rangliste, in der auch 2026 vorkommt, ist der Mittelwert vom 1. bis 26. September gerechnet, weil der Monat noch nicht zu Ende ist. Für die Korrelation mit dem Winter danach ist der volle Monat gerechnet, für die Jahre 1991 bis 2025.
- Winterwert: Summe des Neuschnees vom 1. Dezember bis zum 31. März, gemittelt über die zehn Gebiete. Zugeordnet ist ein Winter dem September, der ihm vorausging.
- Statistik: Pearson-Korrelation auf Jahresebene über 35 Wertepaare, r = 0,201, Bestimmtheitsmass r² = 0,040. Auf Ebene der einzelnen Gebiete liegen die Werte zwischen minus 0,10 in Zermatt und plus 0,36 in Arosa Lenzerheide, also ebenfalls durchwegs schwach und uneinheitlich im Vorzeichen.
- Nachrechnen: Das Abfrageskript liegt im Repository unter
scripts/herbst-winter-vergleich.mjs. Ein Aufruf holt die Reihe neu und gibt Tabelle, Korrelation und Rangliste aus.