Zwei Sätze über Sölden, die beide stimmen und sich trotzdem zu widersprechen scheinen. Erstens: Am 24. und 25. Oktober soll auf dem Rettenbachferner der alpine Skiweltcup in die Saison starten, Riesenslalom der Frauen am Samstag, der Männer am Sonntag. Zweitens: Das Gletscherskigebiet darüber hat bis heute kein Eröffnungsdatum.
Das ist kein Widerspruch. Es sind zwei verschiedene Aufgaben, und die eine ist sehr viel kleiner als die andere.
Was auf 2900 Metern möglich ist
Wir haben den Ausblick für die Rennhöhe geholt, sechzehn Tage, gerechnet auf 2900 Metern. Das Ergebnis ist deutlich anders als das, was weiter unten passiert.
129 Stunden auf der Rennstrecke gegen 95 Stunden über alle zehn Schweizer Gebiete zusammen. Die zehn kommen im Mittel auf zehn Stunden, das beste von ihnen auf 23. Für die verlässliche Produktion, also minus vier Grad Feuchttemperatur, bleiben auf dem Rettenbachferner 86 Stunden übrig, unten bei fünf der zehn Gebiete keine einzige.
Der Umschwung kommt am 5. Oktober. Bis dahin liegt das Minimum auf 2900 Metern über null, ab dann darunter, am 7. und 8. Oktober bei minus fünf Grad. Tagsüber bleibt es die ganzen sechzehn Tage über null, zwischen 2,8 und 11,8 Grad. Beschneit wird also nachts, und das reicht.
Was in dieser Vorhersage nicht vorkommt: Neuschnee. Null Zentimeter in sechzehn Tagen, bei 4,3 Millimetern Niederschlag insgesamt. Es wird kalt, aber es kommt nichts vom Himmel.
Warum das für ein Rennen trotzdem reicht
Weil der Schnee schon da ist. Auf dem Steilhang der Rennstrecke liegen drei grosse Schneedepots, über den Sommer unter Vlies gelagert. Pistenchef Isidor Grüner sagte am 25. September, es seien «genügend Schneereserven vorhanden, um die Rennen trotz des rekordwarmen Sommers organisieren zu können».
Wie dieses Verfahren funktioniert und warum ein Haufen Schnee einen Sommer übersteht, steht in unserem Beitrag zum Snowfarming.
Was Sölden wirklich gesagt hat
Hier lohnt die Genauigkeit, weil derzeit einiges durcheinandergeht.
Sölden hat keinen Saisonstart verschoben, weil es keinen angekündigt hatte. Das Gebiet nennt seit Wochen «Anfang Oktober» und hat nie einen Tag genannt. Auf der eigenen Seite steht der Weltcuptermin gross, ein Eröffnungsdatum für das Gletscherskigebiet steht dort nicht. Einzelne Übersichten führen den 2. oder den 4. Oktober, und auch in unseren eigenen Daten stand bis heute der 2. Oktober. Von der Bahn selbst stammt keiner der beiden, deshalb steht bei uns jetzt kein Datum mehr.
Abgesagt hat Kaunertal. Am 22. September, vier Tage vor dem eigenen Termin, mit der Begründung, die Temperaturen blieben zu hoch. Ein neues Datum gibt es bis heute nicht. Die beiden Meldungen werden gerade häufig vermischt, auch deshalb, weil beide Gebiete im Ötztal-Umfeld liegen.
So sieht die Lage in Tirol und Südtirol heute aus:
| Gebiet | Stand |
|---|---|
| Pitztal | offen seit dem 26. September, 15 cm Neuschnee gemeldet |
| Schnalstal | offen seit dem 19. September |
| Stilfserjoch | offen seit dem 4. September |
| Sölden | «Anfang Oktober», kein Tag genannt, Weltcup am 24./25. Oktober |
| Stubai | 9. Oktober geplant, ausdrücklich unter Vorbehalt |
| Hintertux | «voraussichtlich Ende September», kein festes Datum |
| Kaunertal | Start abgesagt, kein neuer Termin |
Was das für die Frage heisst
Vier Wochen vor dem Rennen sieht es nach den Zahlen gut aus: Die kalten Nächte kommen ab dem 5. Oktober, die Depots liegen, und der Pistenchef sagt, es reiche. Was fehlen wird, ist Neuschnee neben der Strecke, und damit ein Gebiet, in dem man nach dem Rennen Ski fahren kann.
Sicher ist das nicht. Eine Sechzehntagevorhersage reicht bis zum 12. Oktober, das Rennen ist zwölf Tage später. Und wie wenig die hinteren Tage einer solchen Vorhersage taugen, haben wir diese Woche selbst erlebt: Das Kältefenster, das am 22. September noch auf dem 4. Oktober lag, liegt heute auf dem 9. Mehr dazu steht in unserer Auswertung zur Beschneiung.
Weiterlesen: Zu warm zum Beschneien · Snowfarming: wie ein Schneehaufen den Sommer überlebt · Sechs Gletscher haben einen Termin · Wo kann man im Oktober Ski fahren?
Quellen und Methode
- Weltcuptermin: soelden.com, Veranstaltungsseite zum AUDI FIS Ski World Cup Opening, 24. und 25. Oktober 2026, abgerufen am 27. September 2026.
- Schneedepots und Zitat: Bericht von skinachrichten.de vom 25. September 2026, der Pistenchef Isidor Grüner wiedergibt. Drei Depots am Steilhang.
- Wetterdaten: Open-Meteo, das die Modelle von MeteoSchweiz und dem DWD zusammenführt, abgerufen am 27. September 2026. Für den Rettenbachferner wurde mit 2900 Metern gerechnet, für die Schweizer Gebiete mit 2000. Die Höhe wird fest vorgegeben, weil das Modell sonst mit der Geländehöhe seines Gitterpunkts rechnet, und die liegt im Hochgebirge oft mehrere hundert Meter daneben.
- Stand der übrigen Gletscher: Mitteilungen auf pitztaler-gletscher.at, kaunertaler-gletscher.at, stubaier-gletscher.com und hintertuxergletscher.at, abgerufen am 27. September 2026, sowie die Übersicht von snow-online.de vom 22. September 2026.
- Nachrechnen:
scripts/beschneiung-pruefen.mjsim Repository. Ein erneuter Aufruf liefert den Stand von heute.