Die übliche Empfehlung für Anfänger lautet: ein grosses Gebiet, dann hat man Auswahl. Das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was die Zahlen sagen.
Wir haben für 83 Schweizer Skigebiete die Aufteilung der Pistenkilometer nach Schwierigkeit ausgewertet, also blau, rot und schwarz. Das Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die berühmtesten Gebiete sind für Anfänger die schlechtesten, und sie sind gleichzeitig die teuersten.
Die Zahl, um die es geht
Im Schnitt über alle 83 Gebiete sind 42,3 Prozent der Pistenkilometer blau. Das ist die Messlatte. Alles darunter heisst: In diesem Gebiet steht ein Anfänger vor mehr Pisten, die er nicht fahren kann, als vor solchen, die er fahren kann.
Der Vergleich, der alles erklärt
Das ist der Punkt, an dem die üblichen Empfehlungen auseinanderfallen. Denn diese knapp achtzig Kilometer bedeuten in den zwei Gebieten etwas völlig Verschiedenes:
| Zermatt | Villars-Gryon-Diablerets | |
|---|---|---|
| Pistenkilometer gesamt | 360 | 125 |
| davon blau | 79 km | 75 km |
| Anteil blau | 22 % | 60 % |
| Tageskarte | CHF 92 | CHF 65 |
In Zermatt sind die 79 blauen Kilometer über ein riesiges Gebiet verstreut, dazwischen liegen 280 Kilometer, die für einen Anfänger nicht in Frage kommen. Wer sich verfährt, steht vor einer roten Piste und muss zurück. In Villars ist deutlich mehr als die Hälfte des Gebiets fahrbar, und die schwarzen Pisten machen dort ganze drei Prozent aus.
Dazu 27 Franken Unterschied pro Tag, in der falschen Richtung.
Was die Zahl nicht sagt
Bevor jemand danach bucht, drei ehrliche Einschränkungen.
Pistenfarben sind nicht genormt. Es gibt keine Schweizer Behörde, die festlegt, ab welchem Gefälle eine Piste rot wird. Das machen die Gebiete selbst. Eine blaue Piste in Zermatt kann steiler sein als eine rote in Marbach, weil der Massstab am jeweiligen Gebiet hängt. Grosse Gebiete neigen dazu, grosszügiger einzustufen.
Der Anteil sagt nichts über den Anfängerbereich. Was ein blutiger Anfänger am ersten Tag braucht, ist kein Kilometer blaue Piste, sondern ein flaches Übungsgelände mit Zauberteppich und einer Skischule daneben. Das steht in keinem Datensatz, und kleine Gebiete sind darin oft besser als grosse.
Ein Gebiet, das nur blau hat, wird schnell langweilig. Charmey mit 100 Prozent blau ist ideal für die ersten Tage und unbrauchbar, sobald jemand Fortschritte macht. Wer mit gemischten Gruppen unterwegs ist, braucht beides.
Die brauchbare Empfehlung
Daraus folgt eine Einteilung nach dem, was man tatsächlich vorhat.
Erste Skitage überhaupt. Klein und günstig, alles fahrbar, kurze Wege. Charmey (100 Prozent blau, CHF 45), Marbach-Marbachegg (67 Prozent, CHF 40), Rosswald (65 Prozent, CHF 42). Bei 40 bis 45 Franken tut es auch nicht weh, wenn der Tag nach zwei Stunden vorbei ist.
Anfänger, die vorankommen wollen. Genug blaue Kilometer, um nicht dieselbe Piste zwanzigmal zu fahren, und rote in Reichweite für später. Villars-Gryon-Diablerets (75 km blau, CHF 65), Klewenalp-Stockhütte (30 km blau bei 75 Prozent, CHF 55), Leysin (37 km blau, CHF 62).
Gemischte Gruppen, wo einer Anfänger ist und einer nicht. Hier lohnt sich ein grosses Gebiet, aber nicht jedes. LAAX hat 123 blaue Kilometer bei 55 Prozent Anteil, Gstaad 122 bei 61 Prozent. Beide bieten genug für beide Seiten. Zermatt und St. Moritz bieten das nicht.
Was wir nicht empfehlen würden. Zermatt, St. Moritz Corviglia und Samnaun als erstes Skigebiet. Alle drei unter 30 Prozent blau, alle drei zwischen 78 und 95 Franken. Man bezahlt dort für Gelände, das man nicht benutzt.
Wo das teuer wird
Die Sache hat eine Preisseite, die selten jemand ausrechnet. Wer als Anfänger nach Zermatt fährt, zahlt 92 Franken für einen Zugang zu 360 Kilometern und benutzt davon 79. Auf den tatsächlich fahrbaren Kilometer gerechnet ist das teurer als jedes kleine Gebiet.
Zum Vergleich, Franken je blauem Pistenkilometer:
- Zermatt: 92 Franken für 79 km blau
- Villars-Gryon-Diablerets: 65 Franken für 75 km blau
- Charmey: 45 Franken für 30 km blau
Bei den ersten beiden bekommt man fast dasselbe blaue Angebot, einmal für 92 und einmal für 65 Franken.
Und wie kommt man hin
Für die ersten Skitage zählt die Anfahrt doppelt: Ein Anfänger hört oft schon am frühen Nachmittag auf, und dann soll die Rückfahrt nicht länger dauern als der Skitag. Unsere Fahrzeitenlisten ab Zürich, Bern, Basel und Genf sind dafür nach Fahrzeit sortiert.
Marbachegg liegt 57 Minuten ab Bern, Charmey und Klewenalp knapp darüber. Zermatt braucht ab Zürich 3 Stunden 15.
Quellen und Methode
- Pistenaufteilung nach blau, rot und schwarz: eigener Datensatz für 83 Schweizer Gebiete, zusammengetragen aus den Angaben der Gebiete. Der Anteil ist auf Kilometer gerechnet, nicht auf die Anzahl der Pisten; eine kurze blaue Verbindung zählt sonst gleich viel wie eine lange Talabfahrt.
- Tageskartenpreise: eigener Datensatz, Richtwerte für Erwachsene in der Hauptsaison. Mehrere Gebiete arbeiten mit dynamischen Preisen.
- Es gibt keine verbindliche Schweizer Norm für Pistenfarben. Die Einstufung liegt beim Gebiet, deshalb sind die Anteile zwischen Gebieten nur eingeschränkt vergleichbar. Wir sagen das lieber dazu, als so zu tun, als wäre die Zahl exakter, als sie ist.